Fortuna, Funkel, Vorstand: Rosenkrieg und Marketing-Fail

Da ist es dann doch passiert und ging ganz schnell: Fortuna Düsseldorf hat die Trainer-Karriere von Friedhelm Funkel beendet. Eine Trainerentlassung ist ja nie geräuschlos oder in irgendeiner Form würdevoll, aber unsere Vereinsoberen haben auch diesen Fall mal wieder maximal unwürdig gestaltet. Und nur die Konzentration auf den Abstiegskampf verhindert momentan die maximale Eskalation im Verein.

„Kommunikationsprofis“ mit Massenversagen

Nach den vielen dunklen Zeiten unserer Fortuna ist man ja besonders in den letzten 5 Jahren vor allem unter dem Motto der Professionalisierung unterwegs. Alles machen jetzt Profis: hauptamtliche Vorstände mit richtigem Gehalt, gestraffte Strukturen und Entscheidungswege in der Geschäftsstelle, Personen mit wirtschaftlichem Sachverstand und Erfahrung auf vielen Positionen. Das hat durchaus interessante Köpfe an den Rhein gebracht wie Robert Schäfer oder Alex Steinforth, die zwar beide nicht unumstritten waren aber denen für ihre eben professionelle Sacharbeit Respekt entgegengebracht wurde.

Nun haben wir einen Thomas Röttgermann an der Spitze, der laut seiner Vita als Marketingmanager bei Preußen Münster und Mönchengladbach sowie als Geschäftsführer beim Vermarkter SportFive und der VfL Wolfsburg GmbH tätig war. Man mag daraus eine durchaus vorhandene Expertise für Marketing und Kommunikation herauslesen. Und der gute Herr Röttgermann möchte ja auch die Vermarktung von Fortuna Düsseldorf demnächst selber übernehmen – sicher eher auch eine Sache für Profis.
Daneben sitzt mit Christian Koke ein „Vorstand Marketing“. Früher hatten wir mal einen Finanzvorstand, heute scheint diese Kompetenz weniger wichtig und dafür eben das Marketing bedeutender zu sein. Also schon qua Amt ein Marketing-Experte, der zudem als langjähriger Verkaufs- und Verlagsleiter für WZ und Express ein Medienprofi sein sollte. Zudem hat den Vorsitz im Aufsichtsrat Björn Borgerding übernommen, der (man ahnt es) im Bereich Sportevents und Marketing tätig ist.

Wie in aller Welt können diese vorgeblichen Profis im „Dinge verkaufen, Dinge erklären und Dinge gut aussehen lassen“ in nur drei Tagen einen kommunikativen Scherbenhaufen sondergleichen hinterlassen? Röttgermann brüstete sich noch auf der Mitgliederversammlung damit, dass er ja in keinem Fall mit Funkel so umgehen würde wie Schäfer das in Marbella tat. Stimmt, er hat den Vertrag vor dem Trainingslager dann verlängert, um ihn dann nach dem Trainingslager zu beenden. Nach dem er drei Tage vorher noch Interviews in eine eher entgegengesetzte Richtung gab. Pfannenstiel sagt in die Mikrofone nach dem Leverkusen-Spiel, das sich die Trainerfrage nicht stelle – um drei Tage später eine fertige Antwort auf diese ungestellte Frage zu haben.

Und Christian Koke verantwortet es (seiner Funktion nach), dass Funkel ohne einen anwesenden Vertreter des Vereins zum Düsseldorfer Trainer des Jahres ausgezeichnet wird, dies über offizielle social media Kanäle groß verbreitet wird, um als direkt darauf folgende Meldung die Entlassung zu verkünden. Begleitet von einem Spieltagsplakat, das der Trainerbank und Friedhelm Funkel das Vertrauen ausspricht! Da ist dann der frisch gewählte Aufsichtsratsvorsitzende sicherheitshalber direkt mal auf Tauchstation geblieben, vielleicht erklärt er das ja gerade in Ruhe seinem großen Netzwerk. Abgesegnet wird er die Entscheidung in jedem Fall haben.

Friedhelms kleiner Rosenkrieg

Dass Fortuna Friedhelm Funkel viel zu Verdanken hat ist unbestritten, da kann es keine zwei Meinungen zu geben. Sportlich kann man die Trennung aber trotzdem nachvollziehen, diese beiden Umstände müssen sich nicht ausschließen. Schlussendlich hat man nach einer sehr überschaubaren Hinrunde bei einer sportlich stagnierenden Mannschaft die berühmte Reißleine gezogen. Erfolgschance 50/50.

Doch man hat eben auch einen der aktuell beliebtesten Trainer der Bundesliga entlassen und zudem seine sehr lange Karriere beendet (er hatte ja stets angekündigt nach Fortuna in „Trainer-Rente“ zu gehen). Funkel und Fortuna haben eine ähnliche Verbindung entwickelt wie ehedem mit Norbert Meier: eine Situation, die beide Seiten wieder nach oben gebracht hat. Denn Funkel war zwar ein geschätzter Trainer, aber er war auch nicht gerade auf der Topliste der Bundesliga-Teams bevor er zu uns kam.

Was ihn so beliebt gemacht hat ist daher auch nicht unbedingt nur der Erfolg, unsere Fortuna nach dem Aufstieg auf Platz 10 geführt zu haben. Es ist seine Art einfach in jedes Mikrofon ehrlich zu sagen, was ihm gerade im Kopf herumgeht. Dabei spart er auch kein Thema aus, Friedhelm wird gefragt, Friedhelm antwortet. Ob nun zur Defensive von Bayern München, zum Gemütszustand von Benito Raman, zur Situation des HSV und manchmal auch zur sportlichen Situation der Fortuna (aber das wurde dann eher selten gefragt).

Diese Position nutzt Funkel nun auch für die Aufarbeitung seiner Entlassung. Er reist durch die Medienlandschaft bis die Vielfliegerkarte glüht. Sportstudio, Doppelpass, Interviews, Statements, Bühnenauftritte. Journalisten wissen genau, dass dabei immer eine Schlagzeile abfällt. Und aktuell kriegt der Verein nun eben täglich verbale Spitzen ab. Die Verbitterung über die Art der Entlassung sei ihm dabei zugestanden, hier hat er schon klar gemacht was er denkt.

Doch inzwischen scheint die mediale Aufarbeitung kein Ende mehr zu nehmen, und wie nach so mancher Scheidung erlebt man einen Rosenkrieg. Da klingt dann schon mal durch, dass er ja das Gesicht des Vereins gewesen sei, dass es ja aktuell auch nicht besser laufe mit dem neuen Trainer und wir vermutlich ja doch irgendwie absteigen. Dabei gilt, was auch schon zu Funkels Trainerzeiten bei uns ein Problem war: es ist gut und richtig die Wahrheit und seine Meinung zu sagen – es ist aber genau so gut und wichtig zu wissen, wann man sich einfach mal nicht weiter äußert.

Ein Nachspiel im Sommer muss folgen

Die Trennung von Funkel war sportlich nicht falsch, die Art und Weise aber unterirdisch. Das der so enttäuschte Ex-Trainer nun in den Medien jede Gelegenheit zum freundlichen Nachtreten nutzt liegt in seinem Charakter. Wäre schöner, wenn er das lassen könnte – aber schlussendlich ist es nicht seine Schuld.

Dieser Vorstand hat es in Kombination mit dem Aufsichtsrat nun geschafft, uns nachhaltig zu blamieren und zum völlig unbeliebten Verein zu machen. Durch sein Handeln innerhalb von 12 Monaten weisen Vorstand und Teile des Aufsichtsrat genau das Gegenteil von Professionalität auf. Die Geschichte um Röttgermanns App und seine unglaubwürdige Darstellung der Vorgänge, die Posse rund um den Raman-Wechsel mit offenbar bewusst irreführenden Zahlen und nun das kommunikative Desaster rund um Friedhelm Funkel.

Wenn wir diese Saison sportlich abgeschlossen haben, idealerweise mit dem Klassenerhalt und dem Pokalsieg (mind. bitte eins von beiden), dann wird es Zeit einiges aufzuarbeiten im Verein.