Alles oder nichts: wieso wir tief fallen können

Es ist wieder was los bei Fortuna! Im Guten, denn das Auswärtsspiel in Leverkusen hat endlich wieder ein paar positive Aspekte gezeigt. Aber auch im möglicherweise Schlechten, denn unser Verein hat sich in eine sehr riskante Lage gebracht. Die Mischung von Aufsichtsrat, Vorstand, Trainer und Kader könnte uns im schlimmsten Fall einen bösen Absturz bescheren.

Mit Mut, Mühe aber wenig Hoffnung

In Leverkusen war die Aussicht gering, wirklich etwas mitnehmen zu können. Ein Gegner mit Top-Spielern, der uns schon im Hinspiel keine Chance gelassen hatte. Aber Leverkusen ist keine echte Spitzenmannschaft, denn sie lassen auch gerne mal hier und da Punkte liegen.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Funkel hat leicht die Aufstellung angepackt und Sobottka und Thommy von Anfang an spielen lassen. Der Gegner wurde intensiver angelaufen und man war zwar oft unterlegen, aber bissig und kam sogar zur ein oder anderen Möglichkeit. Doch auch das viele Glück bei der Torverhinderung (Leverkusen hat selbst aussichtsreichste Dinger nicht reingebracht) hat sich nicht ausgezahlt. Spätestens nach dem 2:0 hingen Köpfe und Schultern und die Niederlage hat uns endgültig auf den letzten Tabellenplatz geschoben.

Mit bescheidenen Mitteln, aber ohne Wirkung

Ob es nun am Trainer, am Kader oder der Einstellung liegt wird viel diskutiert. Alles hat seinen Anteil und mit jedem Spieltag ohne Punkt wird ein Abstieg wahrscheinlicher. Unseren Kader wird der Weg in Liga 2 in jedem Fall dramatisch verändern und die aktuelle spielerische Lage wird das auch noch finanziell zu einem echten Verlust machen.

Mit Oliver Fink, Michael Rensing und Adam Bodzek haben wir drei sehr verdiente Spieler, die aber schon aus Altersgründen für eine weitere Saison nicht erste Wahl sein können. Ihre Verträge laufen sowieso aus, aber auch die Papiere von Contento, Gießelmann, Suttner, Bormuth und Stöger enden nach dieser Saison. Die Leihen von Adams, Barkok und Skrzybski enden ebenfalls zu diesem Zeitpunkt. Tekpetey ist bis 2021 geliehen, wofür ja bekanntlich die Raman-Ablöse niedriger ausgefallen ist. Bei Erik Thommy endet die Leihe in diesem Jahr, aber es gibt wohl eine Kaufoption – wie die im Detail aussieht ist nicht bekannt.

Wir haben also 12 Abgänge bzw. auslaufende Verträge aus dem relevanten Kader. Ein Abgang von Ayhan ist im Abstiegfall so gut wie sicher, es ist eh ein Wunder, dass wir ihn nochmal bei uns halten konnten. Stöger hat bislang ja auch bewusst nicht verlängert, er wird sich am Saisonende vor unanständigen Angeboten nicht retten können – ohne einen Pfennig Ablöse für uns.

Wir hatten auch in diesem Jahr nur geringe finanzielle Möglichkeiten. Neben den üblichen Leihen haben wir da unser Budget für Spieler eingesetzt, die ihren Marktwert verringert haben bislang. Unsere teuersten Transfers Kownacki und Ampomah haben viel Kapital gebunden, Kownacki wird ja auf Raten bezahlt. Aktuell könnte man im Notfall bei beiden nicht einmal über einen Verkauf mit einem Plus herauskommen.

Eine Saison in der zweiten Liga hieße damit ein völliger Umbruch im gesamten Kader, bei dem wir kaum auf Transfererlöse spekulieren können. Einzig Ayhan wird mit seinem langen Vertrag vermutlich eine ordentliche Austiegsklausel haben. Man wird verhältnismäßig viel Geld für einen konkurrenzfähigen Kader in die Hand nehmen müssen, wenn man direkt wieder um den Aufstieg spielen möchte.

Mit großem Ego

Nun gut, das sind eben die Risiken, die man eingehen muss, um überhaupt in der Bundesliga als kleines Licht zurecht zu kommen. Aufzusteigen ist schon schwer, aber sich zu etablieren ist brutal. Dafür muss ein Vorstand vorbereitet sein und die passenden Personen und Ideen finden. Friedhelm Funkel wird dabei sicherlich keine Rolle mehr spielen.

Im Vorstand sitzt dafür mit Röttgermann jemand an der Spitze, der bislang keine Erfahrungen mit einem Abstieg oder gar bescheidenen Mitteln machen musste. Dafür ist der Mann mit großem Ego und wenig Einsicht ausgestattet, wenn man seinen Umgang mit der App-Affäre, seine Ratschläge Richtung Bundesliga, seine Kommunikationsstrategie bei Transfers und seine Entscheidung für eine Selbstvermarktung betrachtet.

Die Selbstvermarktung wird initial ebenfalls wieder finanzielle Mittel binden, denn hier muss ein Team aufgebaut werden. Dieses agiert dann neu zusammengestellt in einer Umbruchsituation und unter dem Druck, dass der Verein für den Kader so viele Mittel wie möglich benötigt. Selbst wenn man Röttgermann für einen fähigen und durchsetzungsstarken Vorsitzenden halten würde wäre das schon ein dickes Projekt zeitgleich zu einem Abstieg und den Begleiterscheinungen.

Mit zu wenig im Rücken?

Schlussendlich ist dann auch im Aufsichtsrat vieles neu, denn nach dem Rücktritt von Reinhold Ernst als AR-Vorsitzender hat nun Björn Borgerding diesen Posten übernommen. Die Stellvertreter-Fuktion übernimmt Sebastian Fuchs. Carsten Knobel, inzwischen CEO von Henkel, scheidet dagegen auf eigenen Wunsch aus.

Der Aufsichtsrat war schon lange immer wieder von kleinen Querelen und Indiskretionen geprägt. Trotz allem hat Reinhold Ernst sich einen guten Ruf erarbeitet und seinen Anteil der ordentlichen Arbeit der letzten Jahre. Er bleibt dem Gremium erhalten, wohingegen mit Knobel ein wichtiger Wirtschafts- und Finanzfachmann geht. Mit Borgerding und Fuchs rücken nun ein Marketing-Mensch und ein Sanitär-Meister nach. Auch dies Veränderungen, die einen völlig ungewissen Ausgang haben werden – das Zusammenspiel mit dem Vorstand wird sich definitiv neu beweisen müssen.

Klumpenrisiko

Ein Abstieg bedeutet daher nicht, mit dicken Taschen sofort die Rückkehr in Liga 1 angehen zu können. In allen Teilen des Vereins stehen starke Veränderungen mit finanziellen Unwägbarkeiten und hohen Aufwänden an. In der Anlage-Sprache würde man das Klumpenrisiken nennen: zu viele Ausfallrisiken im gleichen Portfolio.

Wer also aktuell konstruktive (!) Kritik an der sportlichen Situation und der Lage im Verein äußert, der ist kein Miesepeter. Wir müssen wirklich alles reinwerfen, um den Abstieg zu verhindern, oder wenigstens bestmöglich darauf vorbereitet zu sein. Die Mannschaft darf von Spiel zu Spiel denken, der Vorstand und Aufsichtsrat müssen längerfristig denken. Dazu gehört auch ein Plan B!