Funkel raus!

Warum wir jetzt einen neuen Trainer brauchen

Natürlich sollte man vorsichtig sein mit Entlassungsforderungen. Man kennt das ja: Es bilden sich sofort zwei Lager. Schwarz. Und Weiß. Und dann wird polemisiert, eskaliert, und am Ende schaut niemand mehr auf die sachlichen Argumente. Außerdem geht es ja immerhin um den Job eines Menschen. Und im Fall von Friedhelm Funkel um einen Trainer, der sehr viel für den Verein geleistet hat, der in den vergangenen Jahren zum Gesicht des Klubs wurde, zum Sympathieträger.

Aber gerade auch diese Verdienste verlangen es, dass man ein ordentliches Ende der Zusammenarbeit findet, ein Ende, das allein altersbedingt absehbar ist. Einen guten Zeitpunkt, bei dem niemand einen echten Schaden davon trägt. Und dieser Zeitpunkt ist: jetzt.

Friedhelm Funkel und seine Jünger mögen immer neue Ausreden für die Misere finden, die Qualität des Kaders infrage stellen, doch einen Plan bleiben sie schuldig. Einen Plan, wie eine Spielidee in dieser Saison aussehen könnte. Eine Stammelf, die funktioniert, zumindest ein System. Bei all den Versuchen von 3-5-2, 4-3-3 oder 4-4-2: Ein Plan ist nie zu erkennen. Und das ist die alleinige Verantwortung des Trainers.

Torchancen entstehen, wenn überhaupt, meist nach einem ähnlichen Muster: der Verzweiflungstaktik. Der Ball wird langsam in die gegnerische Hälfte geschleppt, bis 30, 40 Meter vor dem gegnerischen Tor. Ab da wird es normalerweise interessant, ab dort müssen sich die Mannschaften etwas einfallen lassen. Bei Fortuna ist dann aber Schluss mit Spielwitz, der Ball wandert auf den Flügel, von wo es eine Halbfeldflanke gibt. Oder wir haben Glück, und der Ball landet im Aus, zum Einwurf oder, noch besser, zum Eckball. Manchmal kommt bei all dem dann Rouwen Hennings an den Ball, und manchmal ignoriert auch Kaan Ayhan, dass Funkel ihn immer noch für einen Innenverteidiger hält, und sorgt dort vorne für einen Geniestreich.

Auf ein Mittelfeld, auf einen Spielaufbau, legt Funkel offenbar keinen Wert. Meist spielt er nur mit zwei Mittelfeldspielern im Zentrum, und oft sind das Bodzek und Morales. Im 4-4-2 setzt Funkel vor die Kämpfer meist zwei Mittelfeldspieler auf die Außen, wie etwa Aymen Barkok in Augsburg, anstatt im Zentrum für ein Übergewicht und spielerische Ordnung zu sorgen. Klar, Stöger fehlte bislang an allen Ecken, aber auch ein Marcel Sobottka hätte für Ordnung sorgen können – oder Ayhan, wenn Funkel ihn nach vorne rücken würde.

Tatsächlich verfügt die Mannschaft ja über Qualität, selten hatte Fortuna in den letzten 40 Jahren so viele Spieler im Kader, die auch bei anderen Bundesliga-Vereinen spielen würden. Es ist keine Rumpel- und reine Kampftruppe mehr, auch kein Vergleich zu Norbert Meiers Elf 2012/2013. Dass Funkel die beiden spielschwächsten Spieler des Kaders – Gießelmann und Bodzek – ständig aufbietet, mag darüber hinwegtäuschen.

Tatsächlich hat die Mannschaft mehr Qualität als etwa Union und Paderborn, allein das würde ja schon reichen zum Klassenerhalt. Momentan sieht es aber fast nach Platz 18 aus. Denn Paderborn verfolgt bei allen Mängeln immerhin eine klare spielerische Idee, die am Ende der Hinrunde langsam zu greifen begann. Und wen wollen wir schlagen, wenn wir selbst gegen völlig schwache und verunsicherte Bremer kaum Chancen herausspielen können? Ja, wir hatten welche, aber nicht eine einzige, die man machen muss.

Ich gebe zu: Ich war nie ein Funkel-Fan. Bereits beim Aufstieg mahnte ich, dass wir nicht wegen Funkel aufgestiegen seien, sondern trotz. Die Einzelspieler waren einfach stark, immerhin spielte neben allerlei heutigen (und gestrigen) Leistungsträgern auch noch ein gewisser Florian Neuhaus bei uns. Und so gewannen wir die engen Spiele damals auch vor allem durch Einzelaktionen. Schon damals vermisste ich eine klare Spielidee, einen Plan für das Spiel nach vorne.

Besänftigt wurde ich sehr spät, als Funkel im Laufe der Bundesliga-Hinrunde das tat, was viele bereits gefordert hatten: Er stellte mit Stöger einen spielstarken Mittelfeldspieler ins Zentrum. Fortan entwickelte sich ein herausragendes Pressing- und Konterspiel, von dem in dieser Saison nichts mehr übrig ist.

In der Vorbereitung wollte Funkel noch am bewährten System festhalten, dann ließ er plötzlich gegen Mannschaften wie Leverkusen früh anlaufen. Inzwischen weiß man nicht mehr, welchen Plan er überhaupt verfolgt. Man kann das auf die Abgänge von Dodi Lukebakio und Benito Raman schieben und darauf, dass die Zugänge nicht die Erwartungen erfüllten. Erwarten darf man von einem Trainer indes schon, dass er nach 18 Spielen einen alternativen Plan gefunden hat. Eine, die nicht Adam Bodzek heißt. Vor allem, wenn ein Marcel Sobottka dafür auf der Bank sitzt, der in jeder Einsatzminute zeigt, dass er ein Spiel ordnen kann und die entscheidenden Pässe sucht.

Funkel mag auf Stöger hoffen, wer tut das nicht? Aber die Frage ist, was passiert, wenn wir dann irgendwie die Klasse halten? Die guten Spieler sind auch dann weg. Warum sollten ein Ayhan, ein Stöger oder ein Sobottka noch ein Jahr Rumpelfußball unter Funkel mitmachen? Sie wollen sich ja weiterentwickeln. Funkel bietet kein Versprechen. Auch bei einem Klassenerhalt nicht.

Fortuna bräuchte also auch beim Klassenerhalt einen neuen Trainer. Das Dumme ist nur: In der aktuellen Verfassung geht es direkt runter, und der Kader zerfällt noch weiträumiger als ohnehin. Die jahrelange Aufbauarbeit ist futsch, und wir befinden uns schnell auf dem Stand des 1. FC Nürnberg. Ein klassischer Düsseldorfer Abgang. Ich bin in meinem Leben sieben Mal ab- und sieben Mal aufstiegen, ich muss das nicht mehr haben.

Also lieber jetzt einen neuen Trainer holen. Einen, der den Spielern einen Plan aufzeigen kann und der an sie glaubt. Der weiß, dass man formschwache Bremer auch mal 4:0 aus dem Stadion schießen kann, wenn man ein ballsicheres Mittelfeld aufstellt. Und einen Dawid Kownacki neben Hennings ins Sturmzentrum, statt ihn auf Außen verhungern zu lassen.

Passieren wird dies vermutlich nicht. Funkel ist seit Schäfers Weggang Alleinherrscher mit Kultstatus. Der in jeder Talkshow sitzt und anderen Vereinen Tipps gibt, anstatt sich selbst mal zu hinterfragen. Bevor sich Funkel selbst demontiert und all das zerstört, was er selbst mitaufgebaut hat, sollte man ihn lieber entlassen. Wer auch immer das entscheidet. Die Bundesliga ist dieses Jahr ziemlich schwach, es wäre kein Hexenwerk drinzubleiben. Jens Langeneke könnte eine Lösung sein. Boris Schommers eine andere. Fraglich ist allerdings, ob Letzterer zu kriegen ist. Wie sich die Dinge gerade entwickeln, dürfte Schommers demnächst im Viertelfinale des DFB-Pokals stehen.