Trüber Blick aus dem Transferfenster

Winterpause heißt Transferperiode und im kleinen Fan-Einmaleins ist das die Zeit, um alles was in der Vorrunde falsch gelaufen ist durch die Hoffnung auf Neuzugänge wieder geradebiegen zu können. Doch unsere Fortuna schaut in diesem Winter eher traurig durch das Transferfenster, hinter dem die anderen potentiellen Abstiegskinder fröhlich mit ihren Neuzugängen protzen.

Die Winterpause ist im Grunde für Fans und Spieler eine sinnvolle und auch schöne Einrichtung. Man kann zur Ruhe kommen, Weihnachten feiern, für stylische Instagram-Bilder an Silvester posieren und zum Trainingslager in den warmen Süden fahren. Durchatmen ist angesagt und das ist keine schlechte Einrichtung, da die wöchentliche Liga-Hektik wenig Zeit für eine besonnene Beurteilung der eigenen Lage erlaubt.

Sommertransfers ohne echten Treffer

Für unsere Diva zeigt sich bekanntermaßen, dass die Hinrunde vor allem eine Erkenntnis brachte: Defensiv weiter wacklig, offensiv extrem harmlos. Ohne den besten Hennings aller Zeiten würde Fortuna vermutlich noch hinter Paderborn auf dem letzten Platz der Tabelle stehen. Ursachenforschung wurde da nun von allen Seiten und von wirklich jedem schon betrieben. Schlussendlich muss man feststellen, dass keiner der von Lutz Pfannenstiel eingefädelten Transfers wirklich eingeschlagen ist.

Die Baustellen waren ja generell schnell offensichtlich: durch Stögers lange Verletzung fehlte der gestaltende Mittelfeldspieler und die Außenstürmer/Vorlagengeber mussten ersetzt werden. Das Ergebnis kennen wir: Baker und Barkok sind nicht mal ansatzweise in die Stöger-Position gewachsen, auf den Flügeln zeigt allenfalls Erik Thommy eine anständige Leistung, ist aber weit vom Niveau eines Benito Raman entfernt. Die Defensive hat sich zur Vorsaison nicht verbessert, aber halt auch nicht wirklich verschlechtert – wir hatten halt vorne mehr Dinger reingebracht.

Man muss es sich eingestehen: kein Sommer-Transfer hat positiv überrascht. Damit ist jetzt nicht alles schlecht gelaufen, denn mit dem genannten Thommy sowie Steffens haben wir Kaderplätze auf ordentlichem Niveau besetzt. Mehr aber auch nicht – und bei unseren Mitteln muss man eben auch immer mal einen Glückstreffer wie Lukebakio landen.

Fortuna kann momentan nur zuschauen

Auf dem Einkaufszettel für den Winter standen daher zwei klare Einträge: eine Hilfe auf der Außenbahn, die den Ausfall von Karaman kompensiert sowie einen Ersatz für das offensive Mittelfeld – mindestens als Backup für Stöger, der seit über 200 Tagen kein Spiel mehr bestritten hat.

Den ersten Punkt hat Pfannenstiel schnell abhaken können: Steven Skrzybski von Schalke 04. Erste Reaktionen: „wofür?“, „warum?“. Euphorie im Anhang sieht anders aus, dabei hat dieser Transfer hohe Chancen auf Erfolg. Wir erhalten einen robusten und kampfstarken Spieler, der sich schnell integrieren wird und schon in den Testspielen Laufwege zeigte, für die Ampomah und Tekpetey noch Hinweisschilder brauchen. Insgesamt wenig Risiko bei dieser Leihe und ein Bonuspunkt in der Kategorie Abstiegskampf.

Im Mittelfeld ist es naturgemäß etwas schwieriger das richtige Regal zu finden. Denn den starken Spielgestalter suchen viele und bezahlen das dann auch entsprechend. Wir erinnern uns an Florian Neuhaus, den Gladbach damals für kein Geld der Welt bei uns gelassen hätte. Doch kursierten schnell etliche Namen aus der Kategorie „vielversprechendes Talent“ oder „Könner auf Suche nach Einsatzzeit“. In Wolfsburg war Elvis Rexhbecaj, sehr vielversprechendes Talent, für eine Leihe zu haben. Das gleiche galt für Eduard Löwen, letzte Saison von Nürnberg zu Hertha gewechselt und im gleichen Alter wie Rexhbecaj. Ebenfalls bei Hertha wurde Ondrej Duda aussortiert, Kategorie: „der kann’s“ (aber auch Potential für eine charakterliche Voronin-Nachfolge). Und in Köln hat Gisdol keine Verwendung mehr für den Österreicher Louis Schaub, der immerhin zum Nationalkader gehört.

Machen wir es kurz: bei keinem dieser Kandidaten war Fortuna in der Lage, auch nur ein heißer Kandidat für die Verpflichtung zu sein. Selbst Schaub landete eher in Liga 2 beim HSV als 50km Rheinabwärts. Löwen geht nach Augsburg, Duda in die Premier League, Rexhbecaj nach Köln. Fortuna kann aktuell nur zuschauen.

Wir sind weiterhin ein kleines Licht

Man kann da nun mit dem Finger auf den Sportdirektor zeigen oder mangelnde finanzielle Risikofreude beklagen. Pfannenstiel hat bislang auf dem Papier nachvollziehbare Transfers getätigt, aber keinen wirklichen Treffer gelandet. Finanziell ist man erste Wagnisse eingegangen (Ampomah, Tekpetey und Kownacki werden uns in Summe schon mind. 13-14 Mio. „kosten“), aber vom Kauf auf Pump sind wir weit entfernt. Das mag man kritisieren oder sich anders wünschen, aber das ist nicht die Ursache wieso wir aktuell keine Wunschspieler verpflichten können.

Fortuna ist weiterhin keine relevante Größe in der Bundesliga. Wir haben nicht nur einen kleinen Etat, wir haben vor allem auch (noch) keine Strahlkraft, die gestandenen Spielern eine attraktive Perspektive bieten könnte. So gerne wir auch spöttisch über das zeitweilige Chaos in Köln oder Hamburg schmunzeln oder den Charme einer Stadt wie Hannover anzweifeln mögen: als Fußball-Clubs sind das alles noch Namen, die nach wie vor mehr Bundesliga-Feeling aufkommen lassen. Auch wenn Hamburg und Hannover gerade in Liga 2 abgetaucht sind.

Ein Sprungbrett für etablierte Talente aus Belgien oder den Niederlanden, eine gute Station für eine Leihe eines Nachwuchsspielers aus der Bundesliga – das können wir leisten und da haben wir uns einen Namen gemacht. Aber man sieht schon an Rexhbecaj, dass ein Äffzeh über mehr Geld und die höhere Wahrscheinlichkeit des Klassenerhalts verfügt. Und auch Augsburg und Bremen sind eben nicht in jeder Saison automatisch Abstiegskandidaten, was für einen Spieler die Entscheidung beim Wechsel sicher einfacher macht.

Das Beste aus den Möglichkeiten machen

Diese Lage muss man sich bei aller Sorge um die aktuelle sportliche Situation eben immer wieder vor Augen führen. Das entbindet aber die Vereinsführung nicht von der Pflicht, trotzdem alles (wirtschaftlich und sportlich) Sinnvolle und Mögliche zu unternehmen. Mit den Sommer-Transfers kann niemand aktuell wirklich zufrieden sein. Der spielerische Ertrag ist für die Investitionen immer noch zu niedrig. Das offensive Mittelfeld ist eine offene Baustelle und wird es wohl bleiben. Die Erwartungen an Stöger sind inzwischen unermesslich, da er nun unsere einzige Option bleibt.

In unserer Lage gilt es nun aus dieser Situation trotzdem das Beste zu machen. Und das Beste ist einfach nur Rang 15 am Ende. Wenn das klappt, dann sind wir nächstes Jahr ein Stück mehr Mitspieler beim Transfermarkt statt nur Zuschauer.