Taktik oder Transfers – „Woran hat et jelegen?“

Zwölf Punkte, 13 Spiele und Platz 15. Die aktuelle Situation in unserem Dorf liegt im Korridor des Erwarteten. Oder wie man sonst sagen würde: „wie isset? – muss, selbst? Och, man schlägt sich so durch“. Insgesamt durfte man ja auch von nicht mehr als erneutem Abstiegskampf ausgehen, insofern ist der Tabellenplatz ausreichend und mind. sechs andere Mannschaften sind in sehr ähnlicher Situation. Daher herrscht aktuell keine Weltuntergangsstimmung (huhu äffzeh!), aber so ein wenig ein komisches Gefühl bleibt dann doch: wäre da nicht mehr drin gewesen?

Woran hat et jelegen?

Im Nachhinein weiß man ja immer gut welche Spiele man „unnötig“ verloren hat oder wo man Punkte „liegen ließ“. Unsere Fortuna hat sich, ganz traditionell, bereits beim Tabellenletzten blamiert, in Berlin bei der Hertha kaum gewehrt und eher selten so wirklich spielerisch geglänzt. Die zwölf Punkte gehen bis dato daher in Ordnung und der Sieg gegen die Geißbock-Truppe sowie das Fortkommen im DFB-Pokal lassen schon geruhsame Adventsstimmung aufkommen.

Doch waren wir bislang auch oft in Spielen in Führung gegangen, um am Ende ohne Punkt dazustehen. Und im letzten Spiel gegen Hoffenheim haben wir nach einer unterirdischen ersten Halbzeit es nicht geschafft unsere Dominanz in der zweiten Hälfte in mehr als drei Chancen umzumünzen. Woran liegt es, dass wir aktuell nicht überzeugender auftreten können?

Wenn es hinten nicht läuft und nach vorne nichts geht

Die Aufstellung gegen Hoffenheim war beides: erwartbar und zugleich völlig überraschend. Erwartbar, weil wieder die 3er/5er-Kette als Spielordnung auf dem Zettel stand. Das ist dann doch ein wenig unser aktuelles „System“, mit wechselndem Erfolg in den Ergebnissen. Überraschenderweise ging das aber mit einer starken Rotation einher: Hoffmann, Sobottka, Morales, Suttner, Tekpetey statt Bodzek, Fink, Thommy, Gießelmann und Kownacki. Machen wir es kurz: das war dann erstmal nix. 45 Minuten verschenkt, defensiv nicht überzeugt und offensiv nicht stattgefunden.

Es bleibt hier weiterhin der Eindruck, dass sich die Mannschaft fast in jedem Spiel neu finden muss. Da passen Laufwege nicht, stimmen Zuordnungen nicht und entwickeln sich nur wenige koordinierte Spielzüge. Kämpferisch ist das jedes Mal mindestens in Ordnung, spielerisch hat man das Gefühl die Jungs könnten es doch eigentlich besser.  

Inwiefern das nun Funkel anzukreiden ist, bleibt eine sehr emotionale Diskussion. Versucht er einen Mannschaftsteil zu stabilisieren, leidet sofort ein anderer Teil darunter. Rotiert er etwas intensiver, wie gegen Hoffenheim, überzeugen doch wieder eher die zunächst draußen gelassenen Spieler (vgl. Thommy und Kownacki). Im Mittelfeld dominiert die Grätsche statt der geschickte Schnittstellenpass – und auf der Tribüne murmeln alle nur leise etwas von „Stöger“.

Und dabei hat unser Trainer bislang schon eher auf Vertrautes gesetzt: 21 Spieler sind bislang zum Einsatz gekommen, das ist nicht besonders viel und eher im unteren Drittel im Vergleich zum Rest der Liga. Dafür haben diese 21 aber bislang auch recht wenig Strecke zurückgelegt, denn weiterhin bleiben wir in der Laufleistung im absoluten Tabellenkeller.

Ohne Hennings wär‘ hier gar nichts los

In der Tat überzeugt auch aktuell kaum ein Spieler im aktiven (d.h. auch spielenden) Kader wirklich, außer Rouwen Hennings. Und dabei setzt Funkel auf die erfahrenen Dauerbrenner und das für viele Fans „bis zur Schmerzgrenze“. Bodzek, Fink, Zimmer, Hoffmann, Gießelmann, Ayhan – das war schon unsere Stammtruppe zu Zweitligazeiten. Offenbar schaffen viele der (oft lautstark von außen geforderten) Jungen und/oder Neuen es nicht im Training zu beweisen, dass sie für die Liga eine wirkliche Alternative sind.

Kownacki ist ein Beispiel dafür, wie schwankend die Leistungen oftmals sein können. Irrt er im einen Spiel noch ohne große Bindung über den Platz, so sorgt er z.B. nach der Einwechslung in Hoffenheim für Wirbel auf seiner Seite. Aber Tore sind bislang nicht dabei herausgekommen, nicht einmal einen Assist kann er für sich verbuchen.

Aktivposten ist dagegen Erik Thommy, der auf ordentliche Noten, ein Tor und vier Vorbereitungen kommt. Und als er am Samstag für Tekpetey auf den Platz kam wurde auch das Offensiv-Spiel der Fortuna merklich besser. Zwei Neuzugänge, die sehr unterschiedliche Eindrücke hinterlassen – und beide in Folge der 20-Tore-Abgänge Raman/Lukebakio geholt wurden. Haben wir uns nicht ausreichend genug verstärkt?

Alles eine Frage der Perspektive

Meiner Meinung nach ist es aber zu früh den Stab über Pfannenstiel zu brechen, oder gar über Alternativen zu Friedhelm Funkel nachzudenken. Auf dem Transfermarkt ist es doch immer ein wenig Wundertüte und auch vergangene Helden wie Raman haben ihre Zeit gebraucht, bis sie richtig zündeten. Das wir mit Marvin Ducksch den teuersten Fehleinkauf der Fortuna-Geschichte gemacht hatten, ist angesichts der Summen, die aktuell im Spiel sind, auch nur noch eine Randnotiz. Sollte einer der Zugänge noch zu einer starken Rückrunde kommen, dann sieht die Lage schon wieder deutlich besser aus.

Und auch Funkel liefert nur ab, was man von ihm gewohnt ist: soliden Ergebnisfußball und ein ruhiges Umfeld. Das wird aktuell zu stark unterschätzt, denn wäre Unruhe in der Mannschaft stünden wir deutlich schlechter da. Selbst die Querelen im Vorstand und Aufsichtsrat wirken sich aktuell nicht auf das Sportliche aus – und das ist das Verdienst des Trainer-Teams. Wer die Trainer-Suche beim Äffzeh mitverfolgt hat oder die aktuelle Situation in Nürnberg und Hannover betrachtet, der kann eigentlich nicht wirklich Funkel in Frage stellen.

Trotzdem ist aus beiden sportlichen Bereichen und von ihren Verantwortlichen, eine Weiterentwicklung zu fordern. Die Transfers müssen sich noch in dieser Saison auszahlen, zumindest die größeren Kaliber. Und auch hinsichtlich unserer Spielanlage muss der Trainer die Mannschaft weiter voran bringen.
Zum richtigen Glück fehlt uns vielleicht einfach nur mal wieder eine kleine Überraschung, da passt die Auswärtsfahrt nach Dortmund doch gerade gut. Wie hieß nochmal der Gegenspieler von Marcel Sobottka bei unserem Sieg gegen den BVB letztes Jahr? Den kannte ich gar nicht…