Wir wollen Euch (jetzt auch) spielen sehen!

Halbzeit-Pfiff in unserer Glücksspiel-Arena, es steht 1:0 im Derby gegen Köln. Aus dem Gästeblock schallt laut „Wir wollen Euch kämpfen sehen“, die Äffzeh-Fans sind verständlicherweise nicht zufrieden mit dem Auftritt der eigenen Truppe. Denn wenn eines im Fußball in jeder potentiell schwierigen Lage beschworen wird, dann ist es der Kampf und Kampfgeist – heißt ja nicht umsonst „Abstiegskampf“. Doch damit wird sich auch unsere Fortuna nicht allein auf Platz 15 retten können.

Wieder ein 3:3-Sieg der Moral

Der Kampf bzw. der Wille zum selbigen stimmt bei den Rot-Weißen von der richtigen Rheinseite ja momentan. Und wie fast genau vor einem Jahr haben damit wir ein grandioses Auswärtsspiel mit 3:3 „gewonnen“, diesmal auf Schalke. Drei Rückstände aufgeholt, einen starken Konter ausgespielt und „Messi hätte es nicht besser gemacht“-Traumtor zum späten Ausgleich. Dabei eine Laufleistung, die nicht unter der des Gegners lag, und insgesamt ordentliche Zahlen in den meisten Statistiken.

So überschwänglich sind dann auch die Kommentare zum Spiel: starker Fight, „so kann Fortuna den Klassenerhalt schaffen“ (RP), „Kampf, Leidenschaft und Zusammenhalt“ (WZ) – durch die ganze Stadt dröhnt es laut vom Schulterklopfen. Und das ist gut und wichtig, denn diese Einstellung und Stimmung hat uns auch im letzten Jahr stark gemacht. Doch wissen wir auch noch allzu gut, dass uns nicht nur der Wille auf Platz 11 der Abschlusstabelle gebracht hat. Und da liegt aktuell noch eine große Baustelle vor Friedhelm Funkel und seinem Trainerteam.

Kleine Schritte nach vorn

Unser Trainer-„Oldie“ wird ja allseits geliebt und trotzdem extrem kritisch gesehen. Keine Woche vergeht, ohne seine Aufstellungen und Auswechslungen zu verteufeln. „Funkel-Fußball“ ist kein Qualitätsprädikat sondern eher eine abwertende Bemerkung. Das ging dem guten Friedhelm aber immer so, schlussendlich war er damit ja am Ende fast durchgehend erfolgreich. Auch wenn er oft unbeirrbar und störrisch wirkt, so hat er auch in dieser Saison nach und nach die nötigen Dinge erkannt und weiterentwickelt. Nur halt in seinem eigenen, für uns Fans manchmal quälenden, Tempo.

Ein Beispiel ist die defensive Variante mit der 3er/5er-Kette, die wir gegen Gladbach, Mainz, Paderborn und Schalke zum Start gesehen haben. Das war durchaus eine Reaktion auf die in einer 4er-Kette zu oft aufgetretenen Defensiv-Fehler, die besonders auf unseren Außen zu zu vielen gefährlichen Situationen führten. Im Ergebnis hatten wir dann zum Teil aber auch fünf Verteidiger und ein bis zwei defensive Mittelfeldspieler auf dem Platz. Zu was das führen kann, mussten wir dann in Paderborn sehen: keine Ideen nach vorne und trotzdem zwei Tore gefangen.

Gegen Schalke führte das System zu einer zähen ersten Halbzeit, in der sich beide Teams defensiv das Leben schwer machten. Aber auch hier hat die berühmte „individuelle Klasse“ der Gegenspieler unsere Verteidigung ein ums andere mal wackeln lassen. Drei Gegentore bei sechs Verteidigern und zwei defensiven Mittelfeldspielern auf unserer Seite!
Funkels kleiner Schritt in diesem Spiel war hingegen die Doppelspitze mit Kownacki und Hennings. Zwar konnte unsere Sturmhoffnung auch auf dieser Position noch nicht glänzen, war aber deutlich besser im Spiel als sonst auf Linksaußen.

Das Spiel zurück ins Mittelfeld bringen

Daher ist das Schalke-Spiel symptomatisch für die aktuelle Lage der Fortuna. Wir brauchen den nächsten Schritt, um aus erkämpften Unentschieden auch mal einen erspielten Sieg machen zu können. Die Lösung muss weiterhin im Mittelfeld gesucht werden, denn hier verhindern wir aktuell nur, als das wir gestalten können.

Nun ist Kevin Stöger verletzt und wird schmerzlich vermisst. Der schnelle Konter über die Flügel aus der letzten Saison ist auch kein Mittel derzeit, da wir auf Außen momentan nicht die passenden Spieler dafür bieten können. Mit Bodzek, Zimmermann und Morales haben wir Kampfkraft und Grätschen im Programm, aber kaum einen spieleröffnenden Pass – das gilt leider auch für unseren Kapitän Oliver Fink. Das Hennings vier seiner elf Tore per Elfmeter erzielt hat mag ein weiteres Indiz sein.

Wenn man sich einmal die Zahl der Ballkontakt ansieht, dann erkennt man recht deutlich, wo unser Spiel stattfindet. In Paderbor, gegen Mainz und auf Schalke hat diese Statistik Kasim Adams angeführt, der aktuell ja wegen seiner Stellungsfehler und manchmal abenteuerlichen Dribblings etwas in der Kritik steht. Auch in vielen Spielen ganz oben in dieser Liste: Nico Gießelmann. Was daran schiefgehen kann, wenn diese beiden Jungs für unseren Spielaufbau wesentlich verantwortlich sind (sprich: viele Bälle kriegen) und dann einen Fehler machen (was passieren kann!), muss man nicht groß erklären.

Eine Lösung sitzt auf der Bank

Was das Ergebnis eines kreativen Mittelfelds sein kann, sah man beim Traumtor zum 3:3 auf Schalke. Ayhan übernimmt in der 85. Minute die Verantwortung und den Ball, trifft die Entscheidung, hier jetzt nicht mit einer Niederlage nach Hause fahren zu wollen und dribbelt sich durch die Mitte. Hennings steigt mit ein und das Ergebnis hat sogar Didi Hamann als Sky-Experte schwärmen lassen. Es fällt schwer sich in dieser Aktion Adam Bodzek oder Zimbo vorzustellen, so wichtig beide aber für uns auf Grund ihrer anderen Qualitäten sind!

Und so muss im Grunde wieder ein Name fallen: Marcel Sobottka. Er ist die spielstärkere Lösung für ein defensives Mittelfeld, ohne die zentrale Absicherung zu vernachlässigen. Er wäre genau der kleine Funkel-Schritt in die richtige Richtung für die aktuelle Spielentwicklung der Fortuna. Auf das sich am 23.11. Goretzka, Müller oder Kimmich fragen „Ich weiß jetzt nicht wie mein Gegenspieler hieß, aber der wäre mir auch sonstwohin gefolgt.“