Herbst bei Fortuna: per Zufall zum Erfolg?

Der Herbst ist ja eine Zeit der Besinnung und des Zusammenrückens: die Tage werden kürzer, die Temperatur sinkt und man richtet sich auf den Winter ein. Aber es gibt immer noch ein paar sehr schöne Tage mit Sonnenschein und buntem Laub an den Bäumen und die Tristheit der kalten Wintertage ist noch etwas entfernt

Und so sieht die Lage auf dem Papier für uns ja aktuell herbstlich aber nicht völlig bedrohlich aus: 9 Spieltage in der Liga und 7 Punkte, die aber angesichts der Konkurrenz immer noch zu einem 14. Platz in der Tabelle reichen. Und im DFB-Pokal haben wir es ins Achtelfinale geschafft – was auch nur noch zwei Dritteln der Bundesligisten gelungen ist.

Und so rückt man eng aneinander und wärmt sich an gegenseitiger Aufmunterung: Wir wussten ja, dass es in der zweiten Saison schwer wird! Wir haben ja auch Leistungsträger abgeben müssen! Wir haben ja letzte Saison auch mal kurz am Tabellenende gestanden! Vor einem Jahr hatten wir weniger Punkte! Et hät noch immer jot jejange!

Systeme, Rotationen und fehlende Ideen

Doch neben der Zuversicht und dem nach wie vor hervorragenden Zusammenhalt müssen auch kritische Blicke auf die aktuelle sportliche Lage erlaubt sein. Denn hier zeigt sich momentan noch ein recht fundamentales Problem in der aktuellen Spielweise, was nun entscheidend für die nächsten Spiele bis zur Winterpause gelöst werden muss. Uns fehlt eine Idee und wir müssen zu oft auf den Zufall vertrauen!

Wenn Friedhelm in dieser Saison eine 3er Kette aus dem Werkzeugkasten genommen hat, dann standen da oft sieben solide Maurermeister auf dem Platz: 3 Innenverteidiger, 2 Außenverteidiger und im Mittelfeld dann noch mehr Defensive mit Bodzek und Zimmermann. Das war hinten dann auch leidlich stabil, aber Tore schießen konnte man damit eigentlich nicht. So haben wir die Spiele gegen Gladbach, Mainz, Paderborn bestritten und 3 Punkte geholt (2:4 Tore).

Damit sollte die 4er-Kette mit mind. einem Verteidiger weniger doch auch mehr Offensiv-Kraft ermöglichen? Ergebnis: 4 Punkte, 8:12 Tore in 6 Spielen. Weshalb das aktuell leider auch nicht klappt aktuell konnte man im Pokalspiel gegen Aue gut beobachten. Nominell hatten wir da eine spielstarke Mannschaft auf dem Platz: im Mittelfeld Morales und Sobottka (endlich wieder), davor Thommy, Fink und Kownacki sowie unseren einzigen Stürmer Hennings.

Der Gegner Aue steht tief, unsere Innenverteidiger rücken bis zur Mittellinie auf und haben beide über 90 Ballkontakte im Spielverlauf – unser Mittelfeld kam gerade auf 50 Kontakte. Also liefen vor unserem Spielaufbau durch Adams & Hoffmann potentiell 8 Anspielstationen herum. Wenn sie denn mal liefen! Denn allzu oft spielten wir uns in den zwei dichten Abwehrketten fest und nur der Weg zurück war frei (daher die vielen Ballkontakte in der IV).

Zu deutlich wurde die fehlende Idee in unserem Spiel: was wollten wir eigentlich?
Die Außen in Szene setzen, wenn man durch einen Diagonalpass ein wenig Raum oder gar eine Überzahl-Situation geschaffen hatte? Kownacki und Thommy zogen aber ein ums andere Mal schon vor dem Pass in die Mitte oder nutzten im Zusammenspiel mit den Außenverteidigern eine Überzahl nicht aus. Im Ergebnis landeten die oft verzweifelt geschlagenen Diagonalbälle im Aus oder direkt beim Gegner.

Dann mit geschickter Kombination durch die Mitte? Das stand offenbar nicht auf dem Zettel, denn dazu passte kaum einer der Laufwege der Fortunen. Die Idee der schnellen Kurzpässe endete dauerhaft in (gern mit Außenrist) weitergeleiteten Bällen in Räume, in denen leider niemand gelaufen war. Oder der Pass ging direkt wieder an unsere Innenverteidiger zurück – neuer Versuch.

Wenn dann nur der Zufall hilft

Im Spiel gegen Aue haben wir so zwar in der Statistik viele Torschüsse zu verzeichnen, aber schlussendlich kaum eine zwingende Chance herausgespielt. Hennings Weitschuss von der Mittellinie aus gegen den zu weit herausgekommenen Männel aus war die beste Chance in den ersten 50 Minuten. So fallen dann die Tore für uns bestenfalls aus Standards heraus, wie im Pokal dann das 2:1 durch Adams. Quasi ein Zufallsprodukt, da ihm der Ball vom Gegner vor die Füße fällt.

Diese Abhängigkeit von Einzelaktionen nach einer Ecke oder einem Fehler des Gegners sind der Grund für den kritischen Blick auf Funkel und die Mannschaft aktuell. Es fehlt eine Idee wie und mit wem das Spiel grundsätzlich angegangen werden soll – weshalb wir auch gegen schwächste Gegner momentan keine ordentlichen Spiele abliefern.

So spielen wir mal mit Thommy und Kownacki auf den Außen, dann wieder Ampomah und Tekpetey oder dann doch wieder mit Zimmer oder Karaman. Was ist dann die Idee dabei: schnelle Außenstürmer wie im Vorjahr durch Steilpässe einzusetzen? Oder doch eher offensive Mittelfelder (Thommy, Zimmer) mit Flanken/Pässen in die Zentrale? Muss dann nicht der Rest der Mannschaft entsprechend agieren?

Wir dürfen nicht auf Rettung warten

Natürlich würde ein Spielgestalter wie Stöger uns helfen bzw. fehlt er aktuell sehr. Doch wir dürfen nicht auf eine Rettung warten, auf die wir nach so einer Verletzungspause kaum zählen können. Man sieht an Sobottkas Auftritt wie schwer es ist nach langen Pausen wieder richtig reinzukommen. Mit ihm, Morales und Fink haben wir im Mittelfeld wieder mehr Möglichkeiten neben Bodzek und Baker.

Friedhelm Funkel muss sich nun entscheiden und der Mannschaft mehr Klarheit verschaffen. Ausprobiert wurde nun genug, teure Einkäufe wie Ampomah, Tekpetey und Kownacki sind kein direkter Ersatz für Raman und Lukebakio. Darauf muss der Trainer reagieren und nun eine Spielidee finden, die zu Automatismen und besseren Abläufen führt.