Das bestimmte System

Funkel hat noch keinen Plan für diese Saison

Sich Sachen schön zu reden, ist für einen Fortuna-Fan mindestens genauso so wichtig wie die Fähigkeit zu träumen: von großen Siegen und Titeln, die eines Tages auf uns warten. Anders wäre das alles kaum auszuhalten.

Aber machen wir uns mal ausnahmsweise nichts vor: Fortuna hat Probleme, in die neue Saison zu kommen. Die Spiele mögen zwar eng und die Niederlagen in Frankfurt und Gladbach unnötig gewesen sein. Dennoch fällt auf, dass Friedhelm Funkel noch kein System für diese Saison gefunden hat.
Vergangene Saison dauerte es bis zum elften Spieltag, bis Friedhelm Funkel – nach der Niederlage in Gladbach – endlich Kevin Stöger so weit sah und ihn in die Zentrale stellte. Fortan war das Spiel geprägt von einem tief stehenden Team mit engem, aber ballsicheren Mittelfeld und langen Bällen auf die schnellen Stürmer. Das Team perfektionierte das System am Ende so sehr, dass es sogar ohne seinen Hauptdarsteller auskam – beim vielleicht besten Saisonspiel auf Schalke spielte Barkok für Stöger.

Trotz des Ausfalls von Stöger und den Weggängen von Raman und Lukebakio deutete zunächst alles darauf hin, dass Funkel an dem System festhalten würde. Allen voran die Verpflichtungen von Tekpetey, Ampomah, Thommy. Doch offenbar ist Funkel von der Linie abgerückt. Weil er einzelne Spieler noch nicht so weit sieht, sie verletzt sind, weil er mit der Mannschaft eine offensivere Ausrichtung ausprobieren wollte. Oder weil die Gegner Fortuna nun stärker kommen lassen.

Und so standen wir in den ersten Spielen vergleichsweise hoch, liefen früh an und spielten auch dann noch offensiv, wenn man eigentlich einen Punkt hätte retten können. Wie in der vergangenen Saison mischte Funkel personell von Spiel zu Spiel munter durch, änderte diesmal aber auch immer wieder das System: Im Sturm setzte er erst auf Hennings, der erklärtermaßen kein Konterspieler ist, im Mittelfeld ließ Funkel zunächst Baker ran, setzte in Frankfurt dann auf drei eher defensive Mittelfeldspieler.
In Gladbach blieb Hennings erstmals auf der Bank. Funkel hätte das bewährte System mit drei schnellen Spielern aufbieten können: mit Thommy, Kownacki und Karaman, auch wenn die nicht das Tempo eines Raman oder Lukebakio haben. Stattdessen begannen wir mit einem 3-5-2, was in den ersten Minuten extrem gut klappte.
Nach etwa zehn Minuten und einer Gladbacher Umstellung stellten wir dann auf ein 4-2-3-1 um, wofür Funkel das ganze Team umbaute: Zimmer ging zeitweise sogar auf die linke Seite, Gießelmann etwas nach vorne, Hoffmann ins defensive Mittelfeld. Fortuna kam nach einer schwächeren Phase wieder sehr gut in die Partie, ließ aber unglaublich viele hochkarätige Chancen zu – wie schon beim Sieg in Bremen. Natürlich kann man Gießelmann eine Schuld geben, über seine linke Seite ziehen die Gegner inzwischen die meisten Angriffe auf. Es fehlte aber insgesamt die Stabilität.

Gegen Freiburg stellte Funkel wieder auf ein 4-4-2 um. Bodzek und Baker waren die einzigen im zentralen Mittelfeld, was dazu führte, dass dort der Zugriff fehlte und der Ball ständig nach Außen gespielt wurde, wo dann aber die Spielidee fehlte. Interessant, dass man bei Spielern wie Baker und Kownacki sofort die Klasse in der Ballbehandlung merkt. Der Einsatz stimmt auch. Sie wissen aber schlichtweg nicht, was sie mit dem Ball anfangen sollen. Weil es noch keinen Plan gibt, kein „bestimmtes System“, wie Aleksandar Ristic immer sagte.
Interessant wird sein, wann die schnellen Tekpetey oder Ampomah eine echte Alternative werden. Dann könnte Funkel wieder stärker auf das Konterspiel setzen. Ansonsten hängt vieles von der Rückkehr von Marcel Sobottka ab, der einem Team eine ungeheure Stabilität verleihen kann. In der vergangenen Saison hat Sobottka verletzungsbedingt nicht oft gespielt, hat aber dann immer den Unterschied gemacht.

Noch gibt es keinen Grund, sich ernste Sorgen zu machen. Trainer und Team haben sich unser Vertrauen wohlverdient. Im Gegenteil: Wir haben gezeigt, dass wir diese Saison gegen Teams wie Wolfsburg, Frankfurt und Gladbach mithalten können. Wenn wir jetzt zu einem stabilen System finden und aus engen Spielen mehr mitnehmen, könnte dies eine sorglose Saison werden. Wir wollen ja nicht gleich von Titeln träumen …