Fortuna in Frankfurt: über damals nach morgen?

Ein Mittelfeld aus Fink und Bodzek, vorne Hennings und auch hinten die üblichen Verdächtigen: die „Korsettstangen“ der Zweitliga-Spielzeiten machen fast Fortunas bestes Spiel in der jungen Saison. Was sagt uns das und was ist eigentlich mit Sobottka?

Lumpi und Axel? Fink und Bodzek!

Ich bin ja ein Spätzünder, vor allem auch was den Fußball angeht. Nach wenigen Versuchen 1990/1991 mit der Fortuna konnte ich weder mit dem Spiel noch dem Verein richtig warm werden. Waren halt auch die Zeiten wo in Düsseldorf eher das Eishockey dominierte und die zugegeben recht ranzige Brehmstraße schon zwei Stunden vor Anpfiff mehr Flair hatte als das zu einem Drittel gefüllte Rheinstadion während des Spiels.
So brauchte es bis 2009/2010 bis ich die Fortuna für mich richtig entdeckte. Und zu einem tollen Zeitpunkt: man war zurück in Liga 2, die Stimmung bombig, der Trainer ein Original und auf dem Rasen ackerten wortwörtlich die passenden Typen. Das war auch die Zeit als ein gewisser Oliver Fink von Unterhaching aus an den Rhein gekommen war. Kurze Zeit später (2011) bekam er als Nebenmann Adam Bodzek, der seine Karriere bis dahin beim MSV Duisburg verbracht hatte.

Fink und Bodzek, für mich war das Fortuna. Lumpi und Axel, das waren für viele die Volkshelden, doch für mich waren die beiden anderen die Konstante. Und 10 Jahre später steht Finki immer noch auf dem Platz, Bundesliga, mit 37 Jahren. Und zieht 90 Minuten gegen Frankfurt durch, zusammen mit Adam Bodzek, dem „Zerstörer“, den doch eigentlich auch niemand mehr so wirklich als hiflreich angesehen hat. Und beide stehen gegen Eintracht Frankfurt auf dem Platz. Gegen den Europaligisten! Die uns im Vorjahr 10 Tore eingeschenkt hatten!

Sicherheit geht vor

Nach dem Glück der Tüchtigen in Bremen und dem wirren Hinterherlaufen gegen Leverkusen hat Funkel gegen Frankfurt auf Sicherheit gebaut. Mittelfeld dicht mit Bodzek vor der Abwehr und dem aktuell über-starken Morales neben Fink. Und das war eine sehr gelungene Variante, denn in dieser Kombination waren die Aufgaben gut verteilt und mit viel Effizienz hat man Frankfurt zentral immer im Griff gehabt.

Die Ergänzungen mit Kownacki und Thommy auf den Flügeln sowie Hennings in der Spitze haben da zu einer interessanten Variante geführt. Das Prinzip „Lauf, Dodi, lauf“ aus der letzten Saison wurde durch eine kompakte Mitte und mehr Spielstärke kombiniert. Damit konnte Hennings sich dann auch öfter dort bewegen, wo er am besten ist: direkt im Strafraum. Das er da dann völlig frei am Elfmeterpunkt zum Kopfball kam ist sinnbildlich dafür, dass ihn nicht nur Fortunas Fans oft unterschätzen.

Kownacki ließ zudem immer öfter aufblitzen wieso wir bereit sind gefühlte Unsummen für seine Verpflichtung auszugeben. Er ist auch schnell, aber vor allem flexibel und mit starkem Gefühl für den Raum. Wenn nur Thommy auf der anderen Seite sein großes Bemühen nicht vom Ergebnis her so völlig harmlos gestaltet hätte, wir hätten früher oder höher in Führung gehen können.

Wie gewonnen so zerronnen

Wieso hat es dann doch nicht geklappt gegen Frankfurt, die sich sichtlich schwer getan haben? So stark Funkel es von der Taktik her und hinsichtlich Einstellung in der ersten Halbzeit hinbekommen hat – so verzockten Mannschaft und Trainer sich im Verlauf der zweiten Halbzeit.

Die wieder einmal schlechte Zuordnung im Strafraum bei einem Standard führte zum Ausgleich. Das ist nicht wirklich unser Ding, auch wenn wir ansonsten in der Innenverteidigung (auch dank des kompakten Mittelfelds) deutlich besser aussahen als in der Vorwoche.
Funkel nahm derweil Kownacki vom Feld, was logisch erschien (man will ihn ja ranführen und schonen). Der Tausch Pledl für Thommy hatte im Grunde zum Ziel hier nochmal Dampf reinzubringen, erwies sich aber als fatal. Denn fast zeitgleich musste Hennings Karaman weichen und das Wechselkontingent war erschöpft. So erschöpft wie Niko Gießelmann, der an der Seitenlinie schnaufte wie ich nach vier Bier und zwei Bratwurst auf dem Weg in den Oberrang.

Pledl schien das weiterhin nicht aufzufallen, denn er versuchte eifrig „irgendwas“ vorne zu machen, während die Frankfurter Gießelmann ein ums andere mal überranten. So kam es dann schlussendlich zum 2:1 über unsere linke Seite, mit Ankündigung und wie bei einem Verkehrsunfall, den man schon Minuten vorher kommen sah.

Weitermachen, aber Fragen stellen und Antworten finden

So hinterlässt das alles einen komischen Nachgeschmack. Funkel hat nach Leverkusen auf die richtige Mischung gesetzt, und die hieß dann eben Erfahrung und Sicherheit. Er hat auch eine Idee entwickelt, wie man ohne Vollgas-Konter zu Chancen und Toren kommen kann. Und wir alle haben gesehen, dass die neuen Spieler allenfalls nach und nach in die Mannschaft eingebaut werden (können).

Jetzt haben wir zwei Wochen Zeit ohne Spiele, um ein paar Antworten zu finden:
Wieso Gießelmann aktuell sowohl seiner Form als auch nach 65 Minuten nur noch dem Gegner hinterherläuft? Wieso überhaupt jemand im vierten Saisonspiel schon Konditionsprobleme hat? Weshalb Marcel Sobottka (ja, aktuell verletzt) bislang keine Rolle spielt? Ob Diego Contento es besser gemacht hätte in der letzten halben Stunde?