Prognose

Teil 3: Bollwerk oder Schießbude?

Prognose
Kaderanalyse Fortuna Düsseldorf 2019/20

65 Gegentore sind zuviel, hat Friedhelm Funkel konstatiert und deshalb beschäftigen wir uns im dritten Teil der Kaderanalyse mit der Abwehr und den Torhütern. Viele Gegentreffer entstehen durch Ballverluste in der Vorwärtsbewegung oder durch Fehler der Mittelfeldspieler und Stürmer. Dennoch stehen die Defensiven häufig im Fokus. Werfen wir einen besonderen Blick auf sie.

Die Innenverteidigung

Fixpunkt unserer Defensive ist Kaan Ayhan und wir können uns glücklich schätzen, dass er seine Ausstiegsklausel wiederholt nicht gezogen hat. Er hat sich enorm entwickelt und eine enge Beziehung zum Trainer aufgebaut. Man ist sich zwar nicht immer einig, aber kann sich die Meinung sagen, ohne das etwas zurückbleibt. Früher wandelte er häufig am Rand der Roten Karte und war immer für eine unnötige Provokation oder Schauspielerei zu haben. Jetzt ist sein Spiel viel reifer und sein Spielaufbau mit Pässen in die Tiefe oder überraschenden Diagonalbällen ist sehr gut. Auch seine Vorwärtsverteidigung, mit der er gegnerische Angriffe unterbindet oder zumindest verlangsamt, hat er stark verbessert. Spielt er noch eine gute Saison und kommt das richtige Angebot, werden wir ihn nur schwer halten können, aber solang sollten wir froh sein, einen Kicker seiner Güte in der Abwehr zu haben. Zu Saisonbeginn wird er hoffentlich auch wieder mit der nötigen Konzentration agieren. In den Testspielen und im Pokal sind ihm einige Patzer unterlaufen, die nicht seiner Klasse entsprechen.

André Hoffmann wird, wie zu Beginn der vergangenen Saison, neben Kaan beginnen. Spielt er so zweikampfstark wie gewohnt und bleibt er verletzungsfrei, dann wird es schwer, an ihm vorbei zu kommen. Wenn Not am Mann ist, kann er auch die defensive Mittelfeld-Sechs spielen oder in der Dreier-Kette in die Mitte rücken.

Robin Bormuth steht bereit, wenn einer der gestandenen Innenverteidiger ausfällt. Auf Sicht verdrängen kann er aktuell keinen. Dafür ist seine Spieleröffnung nach wie vor zu schwach und die Testspiele offenbarten keinen sichtbaren Entwicklungsschritt bei der Zweikampfführung. Die Robustheit und Schnelligkeit zählt zu seinen Stärken, aber er muss diese Saison nutzen, um mehr Druck auf die Etablierten zu machen.

Noch ein Innenverteidiger? War das nötig?

Ja, zum einen fehlte uns ein Linksfuß, der von der linken IV-Position besser das Spiel machen kann, zum anderen brauchen wir Optionen, wie uns die letzte Saison gezeigt hat. Marcin Kaminski war leider nicht zu finanzieren, so haben wir Kasim Adams ausgeliehen. Er verspricht mehr Potential als Marcin, ob er vom Start weg überzeugt und André nach ein paar Spielen aus der Startelf verdrängt, wird sich zeigen. Seine Auftritte in Hoffenheim wirkten teils unglücklich, was aber auch an ständig wechselnder Besetzung der Innenverteidigung dort gelegen haben kann. Lutz Pfannenstiel war wohl bereits in Hoffenheim bei Kasims Verpflichtung beteiligt, er weiß dementsprechend sehr genau, was er erwarten kann.

Sollten wir Dreier- oder Fünfer-Kette spielen, kann Adam Bodzek die mittlere Position der Kette bekleiden. Allerdings waren beide Kettenoptionen in der vergangenen Saison nicht sonderlich erfolgreich, wenn wir Sie über 90 Minuten praktiziert haben. Situativ wird sich gerade Adam immer mal wieder zwischen die Innenverteidiger fallen lassen.

Die Außenverteidiger

Nach seiner starken Saison geht an Matthias Zimmermann kein Weg vorbei. Defensiv stark, offensiv noch ausbaufähig passt der Vorkämpfer optimal zur Fortuna. 

Jean Zimmer wird vor allem gegen schnelle Außenbahnspieler zum Einsatz kommen oder wenn Matthias ausfällt. Ansonsten bleibt für ihn die Position vor Matthias im rechten Mittelfeld.

Shinta Appelkamp kommt aus der eigenen Jugend und hat Ende der letzten Saison bereits in der Zwoten überzeugt, zu deren Kader er nun fest gehört. Obwohl im Mittelfeld beheimatet hat er in der Vorbereitung häufig als rechter Verteidiger ausgeholfen und durchaus positiv überrascht. Da Jean zu Beginn der Serie noch Rückstand hat, hat Shinta vielleicht sogar Gelegenheit, es in den Spieltagskader zu schaffen.

Auf links hat Niko Gießelmann seine Position zementiert. Wenn er fit ist, spielt er. Er ist defensiv die stärkste Option der drei vorhandenen linken Verteidiger, auch offensiv und bei Freistößen macht er eine gute Figur – es wird Zeit für seine ersten Bundesliga-Tore.

Diego Contento hat in den letzten zwei Jahren so gut wie nicht gespielt. Leider konnte er den Rückstand in der Vorbereitung nicht aufholen, in den Test zeigte er sich merkwürdig verhalten und vorsichtig.

Deshalb wurde Markus Suttner, der bereits in der Rückrunde ausgeliehen war, nachverpflichtet. Der gute Typ und mannschaftsdienliche Spieler tut dem Team gut. Defensiv könnte er noch konzentrierter zu Werke gehen, so kommt er aktuell an Niko nicht vorbei. Offensiv ist er durchaus auch eine Option für das linke Mittelfeld.

Sechs Torhüter?

Fortuna hat seit einigen Jahren eine Torwartseuche entwickelt. Immer wieder werden Keeper von schweren Verletzungen gebeutelt und fallen lange aus. Bei Raphael Wolf und Tim Wiesner muss man dementsprechend hoffen, dass sie wieder fit werden und ihre Karriere fortsetzen können. Jetzt hat es zudem wieder Michael Rensing getroffen, dessen Verletzung offensichtlich weniger schlimm ist, als zunächst angenommen. Einsatzbereit ist er für die erste Hälfte der Hinrunde nicht. Direkte Auswirkungen hat das auf Jannick Theißen, der eigentlich ausgeliehen werden sollte, aber jetzt wohl fest das Tor der Zwoten hüten wird.

Florian Kastenmeier zeigte in den Testspielen, dass er mit ein paar Entwicklungsschüben das Potential zu einem Bundesliga-Torwart hat – er wird zunächst auf der Bank platznehmen.

Wie läuft eigentlich die Spielvorbereitung der Sky-Kommentatoren?

Wird da vor jedem Spieltag eine Stunde vorher ausgelost, wer heute Fortuna kommentieren muss? Für den nächsten, der uns nicht mag und nicht mal die Namen unserer Spieler kennt: Unser neuer Torwart, den wir von einem unbedeutenden Klub namens Manchester City ausgeliehen haben, heißt Zackary „Zack“ Steffen und nicht Steffen Zack! Naja, kann ja mal passieren, Hauptsache der Espresso ist ordentlich gerührt 😉

Er wird jedenfalls spielen, dieser Zack Steffen und wir können ihm nur Glück wünschen, dass er das Potential abruft, welches Pep Guardiola ihm zubilligt. Wir werden uns an einen Torhüter gewöhnen müssen, der mehr spielerisch zu lösen versucht und der mehr Ausflüge in den Strafraum unternimmt. Wenn er die Flanken solide fängt oder wegfaustet, werden hoffentlich weniger brenzlige Situationen im Strafraum entstehen, eine gute Kommunikation mit den Abwehrspielern vorausgesetzt.

Bei Michael Rensing wussten wir, was wir haben: einen reaktionsschnellen Torwart, der die Linie nur ungern verlässt und wenig Fehler macht. Hält Zack mit besserer Strafraumbeherrschung und ähnlicher Reaktionsschnelligkeit wie Michael mehr Bälle aus der Gefahrenzone, gepaart mit einer eingespielten Abwehrreihe, die Druck von der Bank bekommt und in der kurze Ausfallzeiten und Schwächephasen Einzelner kompensiert werden, haben wir die Chance auf deutlich weniger Gegentore.