Was ist faul am Flinger Broich?

Marcus Iunius Brutus - einer der Mörder Caesars
Marcus Iunius Brutus - einer der Mörder Caesars

Von SvD

Sommer in der Stadt! Milde Temperaturen seit Wochen, viel Sonne, das Leben findet draußen statt und alles erblüht. Traditionell die Zeit, in der der Outdoor-Sport Fußball Pause macht - damit alle pünktlich zum herbstlichen Nieselwetter wieder ausgeruht im zugigen Stadion stehen können. Immerhin legt der Frühsommer damit eine wohlige Decke aus Sonnenschein über viele der ärgerlichen Ereignisse im holprigen Saisonausklang der Fortuna.

Et hät noch emmer joot jejange

Rückblicke hat die versammelte “Fach”- und Fan-Presse ja bereits zur Genüge zusammengeschrieben. Schlussendlich war trotz allem hin und her das Ergebnis klassisch rheinisch: hat irgendwie geklappt, 42 Punkte und Platz 11: eigentlich alles wie geplant. Das Vor- und Rückrunde in besorgniserregender Weise nicht zusammen passten haben dann irgendwann Mannschaft, Verein und Fans auch registriert. Im Gegensatz zu den Vorjahren hat man sich dann aber für die ruhige Variante entschieden: kein Trainerwechsel, Durchhalteparolen und das nötige Glück am Ende. Hatten wir schon anders, ist aber gut gegangen.

 

Doch Unruhe gab es nach wie vor genug, und damit ist nicht die Unzufriedenheit auf den Rängen bei Heimspielen gemeint. Aus Richtung Aufsichtsrat, Vorstand und Presse wurde diesmal wieder kräftig für Drama und womöglich Intrigen gesorgt.

Akt 1: Jäger muss weg!

Paul Jäger muss mit Ablauf seines Vertrages die Finanzen abgeben und soll eine Art Frühstücksdirektor für die Öffentlichkeitsarbeit werden. Soweit erstmal eine Entscheidung, die nicht völlig überraschend ist. Jäger wäre damals schon gerne selbst Vorsitzender geworden bevor Schäfer kam. Die ersten Wochen der Zusammenarbeit gab man sich dann zwar partnerschaftlich aber die Presse wurde von irgendwo hintenrum kräftig mit Anekdoten aus der Geschäftsstelle gefüttert. Man konnte erste Spannungen vermuten, die sich im Maulkorb-Erlass Schäfers entluden.

Wie so oft gab es zu diesem Schauspiel zwei Meinungen:

Robert Schäfer ist der neue starke Mann und setzt sich notfalls auch intern durch - aber mit einer verträglichen Lösung. Jäger bleibt im Verein, bleibt Identifikationsfigur, ein Übergang wird in Ruhe geregelt.

Schäfer macht die Fortuna-Familie weiter kaputt und räumt herzlos und eiskalt auf der Geschäftsstelle auf und Gegner weg. Der Ehrgeizling hat keinen Stallgeruch und macht Fortuna zum seelenlosen Unternehmen. Dies ist übrigens die Variante, die besonders oft von denen erzählt wird, die früher Jäger am liebsten selbst mit dem Rasentraktor aus der Stadt gejagt hätten.

Akt 2: Funkel muss weg!

Miserable Heimbilanz, Klassenerhalt erst am letzten Spieltag wirklich gesichert, eines der schlechtesten Teams der Rückrunde. 2017 war für Friedhelm Funkel bislang nicht optimal gelaufen. Im Winter noch für die langersehnte Ruhe, und ein ordentliches Punktepolster,   gefeiert, rumort es schon im März langsam in der Fankurve. Viele hatten sich mehr erhofft: schöneres Spiel, mehr Tore, mehr Heimsiege. Doch richtige Wechselstimmung war es nie: zu schlimm die Erinnerungen an die Chaos-Jahre auf der Trainerbank in den letzten Saisons.

Die Blöd-Zeitung will es aber wissen: Funkels Entlassung wenige Spieltage vor Schluss sei geplant, Kauczinski und Schubert als Nachfolger geplant. Auch hier entscheidet wohl Schäfer und hält am Trainer fest, gegen den Aufsichtsrat, dem nachgesagt wird auf die Trennung zu drängen. Die nötigen Punkte kommen, das Saisonziel wird schlussendlich erreicht, Funkel bleibt auch für die kommende Saison - Schäfer hat sich offenbar auch gegen Aufsichtsratchef Ernst durchgesetzt.

Akt 3: Schäfer muss weg?

In die Unruhe der letzten Spieltage und die Trainerdiskussion platzt dann eine Sensationsmeldung der Rheinischen Post: Robert Schäfer vor dem Wechsel zu Bayer Leverkusen! 

Undenkbar, ist er doch gerade erst in Düsseldorf angekommen und noch mitten im Neuaufbau!? Doch denkbar, weil er ja auch in Dresden erst dementierte bevor er doch den Verein Richtung Rheinland verließ? Plausibel für manche, denn wer im Fußball für Geld arbeitet sei ist doch alles zuzutrauen. Es folgt ein schnelles und heftiges Dementi, auch aus Leverkusen wird alles abgestritten. Seit der Meldung keine weiteren Gerüchte, offenbar eine Ente der RP?

Cui bono?

Das es schnell wieder ruhig wurde um diesen letzten Vorfall ist erstaunlich, denn wir haben hier einen wirklichen Skandal vor der Nase. Eine Zeitung wie die RP bringt dies Exklusivmeldung “Schäfer nach Leverkusen”, recherchiert und von zwei Autoren unterschrieben. Wer weiß wie eine ordentliche Zeitung (üblicherweise) funktioniert, der kann abschätzen, daß das kein unüberlegter Schnellschuss war. Hätte die RP nur ein Gerücht aufgeschnappt wäre daraus kein derart konkreter Artikel entstanden. Hier war die Redaktion sich sicher und muss auch die üblichen zwei Quellen gehabt haben. Also muss man sich die Frage stellen: wer hat hier falsche Informationen gestreut und zu welchem Zweck? Es ist zu vermuten, daß hier aus dem Aufsichtsrat oder nahestehenden Personen gezielt die Redakteure angefüttert wurden.

 

Wenige Tage vor Saisonende mit noch unsicherem Tabellenplatz eine derartige Unruhe in den Verein zu bringen, ist vereinsschädigend. Dies dann noch mit Halbwahrheiten oder gezielten Lügen wäre ein wirklicher Skandal. An der Aufklärung scheint aber momentan kaum einem gelegen. Wem nützt dieses Spielchen?

 

Im Herbst wird der Aufsichtsrat neu gewählt und offenbar erleben wir wieder einmal kolossale Machtkämpfe in und um den Verein. Man spürt wie sich, noch hinter den Kulissen, langsam in Stellung gebracht wird. Reinhold Ernst ist in keinem Fall unumstritten, das Chaos was unter der Leitung von Marcel Kronenberg herrschte war aber nicht besser. Noch wagt sich kein neuer Kandidat ans Licht, zu viele aktuelle Baustellen sind noch offen. Aber wir wären nicht bei Fortuna Düsseldorf, wenn es nicht wieder eine turbulente Phase werden würde.

Der Sommer bleibt heiß

un liegt der Ball bei Ernst und Schäfer: beide müssen und wollen bis zur Mitgliederversammlung in starker Position sein. Für den Aufsichtsrat gilt es sportlichen Sachverstand zu verstärken: einen richtigen Sportdirektor/Manager finden, damit die Entwicklung der Mannschaft nachhaltiger gestaltet werden kann. Ein guter Kandidat hier könnte dem ganzen Aufsichtsrat für die neuen Wahlen als Werbung dienen. Die Nachfolge von Paul Jäger ist auch zu regeln, man hat zwar keinen großen zeitlichen Druck aber muss auch eine überlegt Lösung präsentieren.

 

Robert Schäfer hingegen muss mit seinem Team nun vor allem Transfers präsentieren. Trainingsstart steht kurz bevor, Saison beginnt weit vor dem Ende des Transferfensters und die Mannschaft benötigt doch noch ein paar dringende Verstärkungen. Ein Linksaußen, einen Rechtsverteidiger und eine Lösung für den Sturm und den ein oder anderen Ergänzungsspieler… es gibt genug offene Positionen. Und einen hübschen Aufkleber für die neuen Trikots braucht er auch noch: zwar sind die Sponsoreneinnahmen durch Infront abgesichert, aber auch hier wäre eine Verlegenheitslösung eher eine Blamage für den Vorstand.

 

Wäre schön, wenn es mal wieder einfach um Fußball gehen würde.Jüngst wurde das nächste Saisonziel bekanntgegeben: oberes Drittel. Dann macht mal!