Geht`s noch?

Von CG

 

„Oh, Fortuna, so wunderschön, wir fahren überallhin, um Dich zu sehen.“

 

Von wunderschön war der Vortrag der Fortuna leider so weit entfernt, wie die Erde von Alpha Centauri - Lichtjahre!

 

Unser Problem ist, dass wir etwas zu verlieren haben. Das ist jedem Mitarbeiter, Fan und Sympathisanten bewußt. Ein Abstieg katapultiert uns in die Bedeutungslosigkeit und hat nicht absehbare Auswirkungen auf die Finanzen. Selbst Klubs wie der FSV Frankfurt, die seit Jahren mit dem Abstieg mehr oder weniger rechnen mussten, hat die 3. Liga in die Insolvenz gerissen. Nur unsere Spieler haben es ja nicht kapiert! Doch, haben sie, denn das hat man gestern eindeutig und schmerzlich gesehen. So spielt nur eine Mannschaft, der voll und ganz bewußt ist, dass mit einem Abstieg ihre persönliche Zukunft als auch die des Vereins in den Sternen steht - man nennt das auch lähmende Abstiegsangst.

 

Nur so lässt sich das schlechteste Fortuna-Spiel seit Gründung dieses grandiosen Vereins erklären.Das schlechteste Spiel? Wirklich? Ich frage mich, wo die, die diese Urteile aussprechen, die letzten dreißig Jahre waren. Aber die Natur des Menschen und erst recht des Fans neigt ja dazu, die Vergangenheit zu verklären und schlimme Erlebnisse zu verdrängen. Fortuna spielt eigentlich nie schön und selten erfolgreich. Ich habe in der Vergangenheit so viele, wild in der Gegend herumirrende Fortuna-Mannschaften gesehen, dass mir der Unterschied zum Auftritt gestern deutlich aufgefallen ist. Das Team, so unterirdisch es gestern auch war, verfügt über eine defensive Grundordnung, die es einhält, egal in welcher Konstellation es auf dem Rasen steht. Zudem hat es den Willen, füreinander zu kämpfen und miteinander zu arbeiten. Diese beiden Eigenschaften haben ihm die Trainer vermittelt, auch wenn das hier keiner mehr glauben mag. Das Problem, welches nun dringend angegangen werden muss, ist die Blockade im Kopf, die die Kicker augenscheinlich lähmt. Bis zum Nürnberg-Spiel ist dazu eine Woche Zeit und die werden die Trainer nutzen, um daran zu arbeiten.

 

Ist ein Trainerwechsel sinnvoll?

Eine Woche, die auch ein anderer Trainer nutzen könnte, um die Mannschaft wieder aufzubauen! Das ist richtig. Aber ist es das richtige Rezept, um der verunsicherten Mannschaft zu helfen? Das Verhältnis von Trainerteam zur Mannschaft scheint intakt, die Grundordnung ist vermittelt und wird eingehalten, taktische Disziplin ist vorhanden. Das Team ist in vielen Spielen nicht abgezockt genug und das liegt an den Spielern. In vielen Spielen lassen wir beste Gelegenheiten liegen und spielen deshalb nur Unentschieden oder verlieren sogar. Als Beispiele dienen hier die Spiele gegen Kaiserslautern oder in Dresden. Gegen St. Pauli lässt sich Bodze zu einer dummen Gelb-Roten Karte hinreißen und in der Folge entwickelt sich ein vogelwildes Spiel, in dem die Spieler nach der 1:0-Führung in Unterzahl nach vorne stürmen, anstatt sich drei oder zumindest einen Punkt zu ermauern.

 

Kann ein anderer Trainer das ändern? Vielleicht!

Kann ein anderer Trainer neue Motivation wecken und ihnen die Ängste nehmen? Vielleicht!

Ich bin jedenfalls froh, diese Entscheidung nicht treffen zu müssen. Wichtig ist lediglich, diese Entscheidung mit voller Überzeugung und nicht aus Aktionismus und Emotion heraus zu treffen.

 

Es fehlen die Führungsspieler!

Was man sich momentan wünscht, ist ein Spieler, der das Heft in die Hand nimmt und die Kollegen mitreißt. So einen Spieler haben wir momentan nicht. 

 

Finki ist eher wegen seiner Dienstjahre Kapitän, Bodze leider wie häufiger in wichtigen Spielen abgetaucht. Axel stand nicht auf dem Platz, ist aber auch mehr der Vorkämpfer denn der Führungsspieler. Lukas Schmitz ist nicht der Typ dafür, auch wenn er gestern zu den Besseren gehörte. Julian Schauerte ist zu stark mit sich selbst beschäftigt.

Alex Madlung versucht zwar immer wieder lautstark seine Mitspieler zur Ordnung zu rufen, er hat beim Publikum aber mittlerweile fast Levels-Status erreicht. Egal, wie sinnvoll seine Sicherheitspässe oder langen Bälle auch manchmal sind, egal, wie gut sein Stellungsspiel meistens ist, es gibt Unmutsäußerungen bis hin zu Pfiffen gegen ihn. In diesem Zusammenhang sei allen Pfeife(r)n gesagt: Geht doch wieder zu RheinFire! Ach nee, die sind ja wegen fehlender Profitabilität aufgelöst worden! Leider ist den Zuschauern das Gespür für das Team abhanden gekommen, vorbei sind die Zeiten, als das Stadion und speziell die Südtribüne genau merkte, wann die Mannschaft Unterstützung brauchte.

 

 

Wer macht den Unterschied aus?

So ist es bezeichnend, dass nach dem Rückstand mit Michael Rensing der Torwart und beständigste Fortune verzweifelt versuchte, seine Mannschaft aufzurichten und die Zuschauer anzuheizen.

 

In den vergangenen Jahren hatten wir auch nicht die Leadertypen im Kader, da haben uns jedoch Spieler geholfen, die den Unterschied ausmachen können. Hier sind Kerem Demirbay, Jonathan Tah oder Charly Benschop als Beispiele zu nennen. Auch so einen Spieler haben wir aktuell nicht in unseren Reihen. Ihlas Bebou könnte in dieser Saison unser Unterschied-Spieler sein, das Wissen darum scheint jedoch wie ein tonnenschwerer Rucksack auf seinen Schultern zu lasten. Auch Marcel Sobottka hat gestern in kämpferischer Hinsicht mal wieder gezeigt, dass er bereit ist, alles zu unternehmen, um sich gegen den drohenden Abstieg zu wehren.

 

Was den Spielern klar werden muss - jeder kann den Unterschied machen, wenn er den Mut hat! Führungsspieler werden in Krisen geboren! Also, liebe Fortunen, geht da noch was? Schnappt Euch in den nächsten zwei Spielen den Ball, spielt zwei Gegner aus und haut das Ding in die Maschen!!!

 

 

Wir sind bei Euch bis zum bitteren Ende! Denn Aufgeben ist keine Option!

 

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