Überwiegend harmlos

Von SvD

Im epochalen Nerd-Meisterwerk von Douglas Adams reist ein gewisser Arthur Dent „Per Anhalter durch die Galaxis“ und erlebt allerlei schräge Dinge. Im nach wie vor recht spannenden Rennen um den Platz an der Sonne (Aufstieg), die goldene Ananas und den Untergang (Abstieg) in der zweiten Fußballbundesliga erlebt Fortuna Düsseldorf derzeit vor allem Verwirrung. Was nun ein Nerd-Roman mit drölftausend torlosen Minuten in Rot-Weiß zu tun hat? Nicht viel, aber da hier eh keiner mehr mitliest, darf ich als Nerd mich mal austoben.

 

Harmlos

In besagtem Roman spielt eine der wichtigsten Rollen ein Buch, der „Reiseführer durch die Galaxis“. Protagonist Arthur Dent wird von seinem Bekannten in die nächste Kneipe verschleppt, kippt dort in kürzester Zeit etliche Biere, erfährt, daß besagter Bekannter ein Außerirdischer ist und landet als Anhalter auf einem vorbeifliegenden Raumschiff, was Minuten später die Erde zerstört, um einer Hyperraumumgehungsstraße Platz zu machen. Das mag sich für Fortunen nicht ungewöhnlich anhören, denn unsere Saisons laufen ja in der Regel ähnlich verwirrend.

 

 

Nun lernt Arthur in Folge aus dem Reiseführer allerlei über die ihm bislang unbekannte Welt der Sterne. Und mit der dem Menschen eigenen Mischung aus Neugier und Narzissmus googelt er nicht seinen eigenen Namen, aber schlägt immerhin unter dem Stichwort „Erde“ nach. Und er findet als einzige Beschreibung des kürzlich straßenbaulich begründet atomisierten Planeten ein Wort: „harmlos“. Ich wette: hätte er unter Fortuna Düsseldorf nachgesehen, aktuell wäre der Eintrag gleichlautend gewesen.

 

Keine Panik?

Was wir uns Woche für Woche seit dem Spätherbst ansehen mussten passte exakt in diese Kategorie. Die Presse hatte schon Werkstudenten eingestellt, um die torlosen Minuten von Hennings mitzuzählen und historische Vergleiche, Sieglosserien und Rückrundentabellen wie Steinsalz in die offenen Wunden der geplagten Fanseelen einzumassieren. Es ist der Altersmilde von Friedhelm Funkel zuzuschreiben, daß sich Reporter aller Gattungen ihre Schreib- und Aufnahmegeräte nicht durch internistische Eingriffe wieder aus ihren Körperöffnungen entfernen lassen mussten. Kurzum: Trainer genervt, Spieler ratlos, Fans irritiert.

 

 

Auf dem Reiseführer durch die Galaxis stehen in großen freundlichen Buchstaben die Worte „Don’t panic“ auf dem Umschlag. Und so lautete dann auch die Devise im Verein: keine Panik, wir arbeiten gut, müssen nur noch treffen, wird schon wieder. Der Trainer darf das jede Woche in Kameras und Mikrofone sagen, der Vorstand sucht derweil lautlos einen neuen Sponsor fürs Trikot und Stadion. Derweil kommt das Tabellenende stetig näher, da in Liga 2 auch dieses Jahr der Abstiegskampf ab Platz 5 anfängt. Lautern, Pauli, 60… kampflos gibt grad niemand auf. Pünktlich zu Karneval dann der nächste öde Auftritt in der Arena und langsam kommt der Mob in Fahrt.

 

 

Ratlose Pfiffe im Stadion, Entscheidungsspiel für Funkel munkeln die Ersten in den einschlägigen Foren. Mehr und mehr Unmut wird laut: Spielsystem passt nicht, Jugend versauert auf der Bank, Hennings im Grunde eh „nie so toll wie gesagt wurde“. Vergleiche mit der Rückrunde in der Bundesliga. Also alles schlimm! Und aus manchen Ecken schallt es „Neuanfang“ und „Funkel raus“ (nur freundlicher formuliert). Hätte man in der Winterpause doch nur eingekauft, warum macht der Vorstand nichts.

 

 

Und in der Tat ist die Situation irritierend. Die Mannschaft wirkt mental solide: man läuft, kämpft, gibt sich nicht auf. Kein Vergleich zur kaum intakten Trümmertruppe mit den im Sommer aussortierten Unruhestiftern. Und doch spielt man ineffizient und hasenfüßig, kassiert zu oft die einfachen und vermeidbaren Gegentreffer. Schlechteste Mannschaft der Rückrunde. Mal wieder.
Der Trainer? Beschwichtigt, hält am System und seinen Stammspielern fest. Was in der Hinrunde das richtige Mittel war, um wieder ein Team aufzubauen und die jungen Spieler zu integrieren, wirkt nun als Hemmnis. Leistungsträger kaum in Sicht, Talente eher auf der Bank. Der Vorstand hat aus dem Puppentheater der letzten zwei Jahre derweil ein Schweigekloster gemacht. Arbeitet Paul Jäger eigentlich noch bei Fortuna? 

 

Keine Panik!

Also alles wie im letzten Jahr? Oder gar: alles auf Anfang!? Nein, selbst die, die das Wort Neuanfang im Munde führen sprechen es fast widerwillig aus. Die letzten Wochen waren zum Jubeln zu wenig, aber zum Pfeifen immer noch zu viel. Der Verein steht deutlich besser da als noch vor einem oder zwei Jahren.

 

 

Friedhelm Funkel ist kein Konzepttrainer, er überrascht nicht mit seiner Aufstellung und würfelt auch nicht jede Woche den Kader durch. Man mag manchmal ratlos zurückbleiben, warum ein Bormuth immer mal wieder auf der Bank sitzt oder Yildirim und Ferati nicht mal anstatt Fink & Co. Auf den Rasen dürfen. Doch hat er so gut wie alle jungen Talente an die Mannschaft herangeführt, gibt jedem Einsatzzeit, wenn auch manchmal weniger als man sich wünschen würde.

 

Und diese Mannschaft funktioniert! Sie spielt nicht berauschend, hat aber in der Hinrunde für mehr positive Überraschungen gesorgt, als wir alle dachten. Hängende Köpfe? Dunkle Mienen bei einem Rückstand? Sieht man dieses Jahr nicht. Wer nicht mitzieht, aus welchen Gründen auch immer, kommt gar nicht erst in den Kader. Es mögen vielleicht nicht 11 Freunde sein, aber von Söldnern sieht man nun wirklich nichts.

 

 

Der Vorstand hat spät reagiert auf die derzeitige Situation. Erst um Karneval herum äußerte sich Robert Schäfer per Interview zum sportlichen Auftritt. Man bekommt wenig mit und tatsächlich oft nur das, was auch wirklich bekanntzugeben ist. Sponsorensuche? Man ist dran. Den Ausrüstervertrag hat man ohne großes Gerede verbessert, die Gerüchteküche ist und bleibt in allen sonstigen Belangen kalt. Chaos sieht anders aus, man ist geneigt der Ruhe (noch) zu vertrauen. Das Kall-Schulte-Kronenberg-Bauerntheater wünscht sich doch gerade niemand zurück.

 

Überwiegend harmlos

Spätestens mit dem etwas glücklichen Erfolg gegen Bochum ist der psychologisch wichtige Wendepunkt hoffentlich erreicht. Hurra, wir können es noch! Hoffen wir, daß dieser Funke nun auch wieder Leidenschaft auf allen Seiten entfacht. Der Reiseführer durch die Galaxis hat am Ende von Arthur Dents Erlebnissen eine Neuauflage erfahren: unter dem Stichwort „Erde“ steht nun „überwiegend harmlos“. Mal sehen, ob wir es nicht noch besser hinbekommen.

 

 

Was das Thema „Funken“ angeht, sei hier einmal auf den tollen aktuellen Kommentar beim Halbangst-Blog verwiesen. Die anlasslose Pyrotechnik während des Bochumspiels fand auch ich eher komisch. Ja, auch wir Fans müssen uns mal wieder einen Ruck geben und aus unserem alten Tritt rauskommen. Aber das ist ein Thema, zu dem ich noch ein passendes anderes Buch zum Vergleich finden muss…