Der Düssel-Dusel und die Altersvorsorge

(cc by Umberto Salvagnin; https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Luck_is..._%28explored%29.jpg)

Von SvD

Fortuna spielt in Würzburg unentschieden und nimmt Auswärts einen Punkt mit. Soweit das sachliche Ergebnis des 15. Spieltags aus Düsseldorfer Sicht. Doch das beherrschende Wort in der Berichterstattung und auch den Statements der Spieler ist der “Dusel”. Denn der Punktgewinn ist ehrlicherweise im Bereich zwischen glücklich und unverdient einzuordnen, je nach dem welche Perspektive man einnehmen mag. Doch haben wir jetzt gar so etwas wie den Bayern-Dusel? Das Glück auch bei schlechtem Spiel am Ende immer etwas mitzunehmen, quasi der “Düssel-Dusel”?

Unser Glück hat einen Namen

Noch in der letzten Saison war ja oft mehr “Dussel” als “Dusel”, wenn man z.B. an die diversen Latten- und Pfostentreffer zum Anfang der Spielzeit zurückdenkt. Lange her und inzwischen erfolgreich verdrängt. Das war übrigens die Zeit, als wir dachten Ya Konan wäre jemand, der uns weiterhelfen könnte. (Was macht der eigentlich derzeit mit seinem bezahlten Urlaub auf Fortuna-Kosten?).
Dieses mal scheint es gerade umgekehrt: wie oft hat es bei uns am Aluminium geklingelt und der Ball ging nicht in unseren Kasten? Auch in Würzburg war es fast haarsträubend wie die Kickers bald reihenweise Großchancen vergaben: Pfosten, Latte, zwei 100%ige nicht versenkt - und ein kurioses Tor halb nicht anerkannt, halb Abseits gegeben. Der Dusel unserer Diva manifestiert sich nach vielen Spielen (und ein paar Bier) in der wohl häufigsten Stammtisch-Analyse dieser Saison: “früher hätten wir so ein Spiel verloren”.

Doch man kann unser Glück auch schon konkret an einem Spieler festmachen: Michael Rensing. Jedes zweite Spiel zu null,  mit weitem Abstand der Fortune mit den Bestnoten und auch unter den Top3-Torhütern der Liga derzeit (ebenfalls nach Kicker-Noten). Man kann kaum einen anderen Spieler in unserem Kader benennen, der in gleicher Art und Weise jede Woche sein Top-Leistung abruft. Und das erstreckt sich nicht nur auf die oft unglaublichen Glanzparaden, wenn wir mal wieder einen Kopfball aus kürzester Distanz zulassen. Rensing ist absolute Führungsfigur, vom beleidigten Bankdrücker (man erinnere sich an den Auftakt in Saison 13/14) zum Vorbild, Mannschaftsrat und Identifikationsfigur.

Junge Wilde und die Altersvorsorge

Oliver Reck hat in der Vorbereitung 2014 gern von Korsettstangen gesprochen, Frank Kramer vom Gerüst im Kader. Gemeint waren oft die erfahrenen oder auch spielerisch reiferen Akteure im Kader. Seit Friedhelm Funkel hört man (nicht unbedingt von ihm selbst) mehr von den “jungen Wilden”, dem im Umbruch in der Mannschaft und den tollen Talenten, die wir für Fortuna gewinnen konnten.

Um mal im Bild zu bleiben: unser Dekolleté ist auch ganz gut bestückt. Akpoguma als Jugend-Auswahlspieler, Ayhan inzwischen in der türkischen Nationalmannschaft, Bebou als großes Talent und mit Bormuth, Ferati und den restlichen Jungs auf der Bank viel jugendliches Potential. Doch bringt das Korsett erst die Form wirklich zur Geltung, gibt Halt und sorgt für den perfekten Auftritt.

Und gerade am Sonntag sah man, warum die Erfahrung und Routine der vermeintlichen “Alten” so viel wert ist. Rensing kann es nämlich nicht immer alleine richten. Bodzek, Fink und auch Schmitz fehlten und damit der nötige Halt für den Rest des Teams. Alle drei glänzen gar nicht unbedingt, wenn sie im Kader stehen. Durchschnittliche Noten, teils unauffälliges Spiel. Doch sie geben die Struktur vor, ordnen die Räume, bestimmen die Dynamik und vermitteln den jungen Wilden die nötige Ruhe. Vieles davon fehlte gegen Würzburg, weil diese Spieler fehlten.

Ein übermotivierter Ferati versuchte alles und an jeder Stelle, so gut wie nichts gelang. Der sonst so starke Ayhan kam zusammen mit Akpoguma nicht zu einem geordneten oder ruhigeren Spielaufbau - gerade die Schwäche im Zentrum führte zu so vielen Ballverlusten und dem fahrigen Auftritt.

Vielleicht ist Bodzek eher der Zerstörer, Schmitz nicht der beste Außenverteidiger der Welt, vielleicht Fink nicht der Spielmacher, den wir uns bei Liendl gewünscht und bei Demirbay fast gehabt hätten. Aber bei allen sieht man erst, was man ihnen hat, wenn sie nicht dabei sind. Die Vertragsverlängerung von Fink war die wohl wichtigste Entscheidung in diesem Jahr. Quasi ergänzende Altersvorsorge.

Glück ist harte Arbeit

Und trotzdem ging es gut aus. Durch den “Dusel”, durch Rensing, aber auch einfach durch harte Arbeit. Denn all das, was an irgendeiner Ecke auf dem Platz gerade im Moment schief ging, wurde auch sofort wieder versucht zu beheben. Hennings und Bebou hatten mehr gute Szenen in unserem eigenen Strafraum, als im Gegnerischen. Es wurde gerannt und gekämpft, in jeder Situation und ausnahmslos von jedem. Das psychologische Moment im Team ist wohltuend und einzigartig, was man auch den sehr selbstkritischen Analysen der Mannschaft nach dem Spiel entnehmen konnte.

Unser Dusel ist hart erarbeitet, wir brauchen nichts geschenkt.