Die Probleme der Anderen

Von CG

 

Als Sympathisant der Fortuna schaut man gerade wie auf Wolke Sieben schwebend auf das bunte Treiben in den anderen Fußball-Hochburgen und sieht vielerorts die bekannten Trainer-Entlassungen, Kurzfrist-Effekte und Vorstands-Klüngeleien.

 

 

Interessanterweise sind die aktuellen Fußball-Problemfelder geographisch sehr nah beieinander und bei Fortuna selbst scheint es auch nicht nur vorweihnachtlich besinnlich zuzugehen. 

Der Norden:

Hannover ist abgestiegen, hat sich neu aufgestellt und, wie wir gesehen haben, eine erstligareife Truppe beisammen. Das müsste reichen, aber Spiele wie unseres gegen 96 zeigen die Ekligkeit der zweiten Liga, da wird aus einem sicher geglaubten Sieg auch schnell mal ein Unentschieden und schwups, fehlen ein paar Punkte zum direkten Aufstieg.

 

Werder Bremen musste sich in den letzten Jahren gesund sparen. Die großen Europapokal-Zeiten sind vorbei, der Kader war aufgebläht und teuer. Trotz großer Qualität in Mittelfeld und Angriff mit Knaller-Spielern wie Zlatko Juzunovic, Serge Gnabry und auch Max Kruse dümpelt man im unteren Drittel der Tabelle herum, weil die Abwehr inklusive Torwart nicht auf Erstliga-Niveau agiert. Vor allem der Abgang von Jannik Vestergaard scheint hier zu schmerzen. Im Winter muss nachgelegt werden und bis dahin wird sich zeigen, ob Alexander Nouri auch „Strecke“ kann und nicht nur kurzfristig eine Mannschaft motiviert. Für die Bremer steht viel auf dem Spiel, denn in der zweiten Liga sieht man sich trotz TV-Rettungsfallschirm ab 2017 riesigen Verlusten gegenüber. 

 

Der VfL Wolfsburg setzt auf den gleichen Trainer-Effekt wie Werder Bremen, den Interim nach erfolgloser Trainersuche zum Chef machen. Nur das der Effekt schon von Anfang an ausblieb. Zuletzt in Ingolstadt kann man sich nur beim Gegner bedanken, denn statt nach desolater Leistung mit einer Packung nach Hause zu fahren, durfte man sogar einen Punkt mitnehmen.

 

Unser ehemaliges Idol Klaus Allofs, zu dessen Leistungen als Manager wir häufig ehrfürchtig aufblickten, wirkt in dem ganzen VW-Drama unbeholfen. Der Streit um die Nichtfreigabe von Julian Draxler verlief auf Sandkasten-Niveau, mal davon abgesehen, dass er hier die große Chance vertan hat, den teuer eingekauften Draxler sogar über Einstandspreis wieder zu veräußern. Auch den restlichen Kader-Umbau ist er eher halbherzig angegangen. Der Lohn ist, dass seine durchweg wechselwilligen Stars die Spiele ebenso halbherzig angehen. Mit den Erlösen aus den Verkäufen von Luiz Gustavo, Ricardo Rodriguez und eben Draxler in der Sommer-Transferperiode hätte man der absehbaren Reduzierung des VW-Engagements zumindest finanziell entspannter entgegen sehen können. Jetzt ist Allofs in der deutlich schlechteren Verhandlungsposition.

Hamburch, meine Perle!

 

Ach ja, der HSV. Hierzu ist eigentlich alles gesagt. Der Kader weist große Lücken auf wichtigen Positionen auf. Jeder einigermaßen seriöse Sportdirektor winkt dankend ab und der Trainer probiert jede Woche etwas Neues aus, vom Theater hinter den Kulissen mal ganz zu schweigen. Dennoch, der Abstand zu den Nicht-Abstiegsplätzen ist gering. Kriegt der HSV in den direkten Duellen die Kurve, kann da noch was gehen.

 

 

Düster sieht es beim FC St. Pauli aus. Hier scheint nichts mehr zu gehen. Diese Entwicklung sollte uns ein mahnendes Beispiel sein - nicht wegen der heldenhaften Entscheidung, so lange wie nur irgendmöglich an Ewald Lieben festzuhalten. Sondern weil St. Pauli nach einem Fast-Abstieg eine grandiose Saison auf Platz 4 vollendete und danach einen extremen Substanz-Verlust durch Abgänge erlitt, den sie durch Neuzugänge nicht ausgleichen konnten. Sportdirektor Thomas Meggle musste unter anderem für diese Fehleinschätzung gehen. Gestiegene Erwartungshaltung in Mannschaft und Umfeld, sowie einige Verletzungsprobleme führen zu ständigen Wechseln und ein völlig verunsichertes Team drischt, wie im Spiel gegen uns, einfach 90 Minuten den Ball planlos nach vorne. Aber auch hier sind die anderen nicht uneinholbar weit weg - wenn man sich stabilisieren kann.

Der Süden:

Die Bayern haben keine Probleme, hier wird nur laut auf höchstem Niveau gejammert - schön zu sehen, wie schnell das Produkt Leipzig von unserem Problem zum Problem von Bayern München geworden ist - viel Spaß damit!

 

Der KSC wird bald den Trainer wechseln und damit eine krasse Fehlentscheidung korrigieren. Ob ein anderer Trainer diesen wüst zusammengestellten Kader in den Griff bekommt, bleibt zwar abzuwarten, aber die Chancen stehen dann zumindest besser. Der verantwortliche Sportdirektor Jens Todt musste derweil gehen, zwar wohl weniger wegen des sportlichen Misserfolgs sondern eher wegen unterschiedlicher Auffassungen über die zukünftige Zusammenarbeit. Passenderweise ist er jetzt beim HSV im Gespräch ;-)

 

 

Die Sechzger können einem eigentlich nur noch leid tun. Ohne Investor würden sie in der 3. Liga oder in der Regionalliga in ihrem Stadion in Giesing kicken, mit Investor sind sie dessen Spielball. Wer bezahlt, bestimmt was gespielt wird - nur leider hat er vom Spiel keine Ahnung. Wie ein trotziges Kind jongliert er mit dem Personal, postiert Witzfiguren als Vertreter und Berater, die allesamt genau so wenig Ahnung vom Fußball haben wie er und bastelt jetzt an der großen Lösung: Ian Ayre von Liverpool als Geschäftsführer zu holen und dazu einen Team-Manager nach englischem Vorbild.

 

Namen wie Avram Grant und Roberto di Matteo lassen die 60-Fans erschaudern. Vielleicht muss mal jemand Herrn Ismaik beibringen, dass das hier zweite deutsche Bundesliga ist und nicht englische Premier League. Das bezieht sich übrigens auch auf die 50+1 Regel, aber da ist die DFL schon dran.

Angesichts dieser ganzen Probleme könnten wir uns ja sehr entspannt zurücklehnen!

So ganz außen vor bleiben wollte unsere Fortuna dann doch nicht bei diesem Theater und hat nach 15 Jahren den Marketing-Direktor Carsten Franck gefeuert. Von außen betrachtet sieht dieser Abgang alles andere als sauber aus. Es scheint eine gemeinsame Aktion von Robert Schäfer und Reinhold Ernst zu sein, denen häufig eine (zu) enge Zusammenarbeit nachgesagt wird. Die Einigkeit von Aufsichtsrat und Vorstand ist ja zunächst mal nicht negativ zu beurteilen, dennoch müssen wir aufmerksam beobachten, was bei unserer Fortuna passiert.

 

Denn, so gut die Arbeit von Robert Schäfer nach außen hin zu beurteilen ist - so wichtig ist eine handlungsfähige und erfolgreiche Mannschaft hinter der Mannschaft. Diese Entlassung ist ein Warnschuss an Alle im Umfeld der Fortuna, die sich aufgrund der sportlichen Lage momentan zu sehr entspannen. Und so ein bisschen HSV schwingt halt immer mit…