Wärst Du doch in Düsseldorf geblieben!

VON CG

Dieser Klassiker von Dorthe Kollo fällt mir ein, wenn ich an den kommenden Freitag denke (übrigens auch schön neu interpretiert von der Halbangst-Gang, siehe Video).

 

Fortuna spielt gegen Dynamo Dresden und einer kehrt zurück, der nie hätte gehen dürfen. Ich lese aktuell das Buch von Frank Lehmkuhl über diesen Einen, der ein ganz besonderer Typ ist und von der Art von Typen es nicht so viele gibt. Das Buch bringt einen zurück in eine dunkle Zeit, die irgendwo im Langzeitgedächtnis vor sich hin schlummert. Fortuna ist am Ende, hoffnungslos verschuldet und in den Niederrungen der Oberliga abgetaucht. Es bringt die Trostlosigkeit und Perspektivlosigkeit dieser Zeit zurück, die in unserem aktuell schicken Zweitliga-Dasein nicht mehr präsent ist. In dieser Zeit fegt plötzlich so ein Schlaks übers Feld, meist schneller als alle anderen, aber auch als der Ball - trotzdem macht es Freude, ihm zuzusehen, denn er kämpft, bis der Schiri das Spiel abpfeift.

 

Und er entwickelt sich, obwohl die meisten es ihm nicht zutrauen. Fortuna steigt in die Regionalliga auf, die ersten sagen schon: "Dat wird eng für dä Lambertz!" Es wurde auch für die Fortuna in der Regionalliga häufiger mal eng. Man musste den Blick in der Tabelle meist eher nach unten senken, um die Platzierung zu finden.

Andreas Lambertz zeichnet etwas aus

Er hat die Fähigkeit, die Mannschaft auf seine Schultern zu nehmen und über die Ziellinie zu tragen. Ich werde in diesem Zusammenhang nie eines seiner legendärsten Spiele vergessen.

Regionalliga Nord Saison 2006/07, 36. Spieltag:

Fortuna empfängt den HSV 2, Regen, tiefer Boden, Fortuna sollte gewinnen, sonst wird das Duell am folgenden Spieltag in Kiel zum Abstiegsendspiel. Die Stimmung im Umfeld ist katastrophal. 4.000 Zuschauer verlieren sich in der Arena, es gibt Proteste gegen Uwe Weidemann und das Team, immer wieder Prügeleien unter den Fans. Der kleine HSV geht in Führung (Oliver Hampel), dann fliegt Marcus Anfang von Platz. Eine Viertelstunde vor Ende der Partie ist alles trostlos. Oliver Hampel hat zum 2:1 getroffen. Immerhin ist Platz auf dem Feld - nach je zwei Roten Karten auf beiden Seiten wird 9 gegen 9 gespielt. Ausgleich - Feinbier macht´s! Und einer rennt für drei: Lumpi! Aber damit nicht genug, es muss die 94. Minute gewesen sein, da schnappt er sich das Leder, arbeitet sich irgendwie durch die Abwehr und schiebt den Ball irgendwie ins Tor. SIEG, der Klassenerhalt ist so gut wie gesichert.

Mit einer Aktion kann er das ganze Stadion antreiben!

Es gab noch einige Aufstiege und Erfolge, nach denen er abgeschrieben wurde. 3. Liga, 2. Liga, dafür reicht´s bei Dir nicht, Lumpi! Aber wer würde besser zum Arbeiterverein aus Flingern passen, als einer, der so passioniert Fußball arbeitet? Lumpi hat nie mit Kabinettstückchen oder Tricks  begeistert, sondern immer einfach alles gegeben. Manchmal reichte das wirklich nicht, aber in ganz vielen Momenten war es genau das Richtige, um Mannschaft und Fans den letzten Kick zu geben. Nämlich genau dann, wenn er mit seinen stakkato-artigen Schritten über das halbe Feld jagte, um den ballführenden Spieler zu attackieren. Häufig genug war das für seine Teamkollegen und die Zuschauer das Zeichen, noch einmal alles rauszuholen. Und er ist treu geblieben, auch wenn es Zeiten gab, in denen er andere Optionen hatte, hat er auf sein Herz gehört und uns so viele wunderbare Momente geschenkt - Lumpi auf dem Hotel-Balkon nach dem Zweitliga-Aufstieg, Lumpi mit Bengalo in der Hand nach dem Bundesliga-Aufstieg, Lumpis Tor bei Bayern München.

Fortuna hat das vergeigt!

Und Deine Fortuna? Sie ist Dir nicht treu geblieben. Als Du nicht mehr so in ihr Anforderungsprofil passtest, als sie versucht hat, Fußball zu spielen statt zu arbeiten, da warst Du ihr auf einmal nicht mehr gut genug. Ich hoffe, sie hat ihre Lektion gelernt, denn sie hätte diesen Fehler beinahe teuer bezahlt.

 

Einmal hatte ich die Gelegenheit, Dich zu treffen, ganz zufällig, in irgendeiner Einkaufsmeile standest Du plötzlich vor mir. Verdutzt wie ich war, brachte ich nur ein: "Oh, hi Lumpi!" heraus. Du hast gelächelt und "Hi!" gesagt und bist mit Deiner Familie weiter shoppen gegangen, wie viele andere auch, der ganz normale, bodenständige Typ, der Du bist. 

 

Du bist bei weitem nicht der beste Fußballer, der je bei der Fortuna gespielt hat, aber vielleicht bist Du der beste Typ, den die Fortuna je hatte.

 

Wir werden Dich zwar leider nicht mehr im Fortuna-Trikot spielen sehen, aber wir werden Dich herzlich empfangen. Und nur, das wir uns nicht falsch verstehen, Lumpi - die Punkte bleiben Freitag bitte hier ;-)