Jungs, die Anderen können auch kicken!

Von CG

Wenn ich mit meiner Hobbytruppe spiele und wir den Gegner in einem mal wieder grausamen Spiel knapp niedergerungen haben, kommt von einem Kumpel von mir immer der grandiose Ausruf in Richtung des Gegners: "Wat ne Klatsche!"


Der Ausspruch passt am heutigen Abend zur Fortuna. Allerdings wurde sie nicht in einem Pokalfight knapp niedergerungen, sondern in den ersten zwanzig Minuten des Spiels geschlachtet.

Woran lag es heute?

Anfangs gehen die Bälle zu schnell verloren, man kommt nicht richtig in die Zweikämpfe, der Gegner ist immer einen Schritt schneller und schon steht es nach 16 Minuten 0:4 - unfassbar. Hannover kickt wie im Rausch, alles funktioniert, jeder Schuss sitzt.

Und das ist der Unterschied zu den letzten Spielen, dieser Gegner kann und will richtig gut Fußball spielen. Ich kann verstehen, dass wir darauf nicht vorbereitet waren, immerhin sind wir in den meisten Spielen der letzten drei Jahre auf Mannschaften getroffen, die nicht konnten oder erstmal unser Spiel zerstören wollten.

Es bleibt festzuhalten: Auch wenn uns von Hannover 96 momentan nur ein Punkt in der Tabelle trennt, trennen uns doch Welten - das hat das Pokalspiel heute gezeigt.

Ein Wort zu den Personalien

Friedhelm Funkel propagiert seit Beginn seiner Amtszeit, dass zu viele Wechsel der Stabilität der Mannschaft schaden.

Dass er im Pokal Rouwen Hennings schont und Robin Bormuth nicht verheizen möchte, kann man diskutieren, wahrscheinlich wären beide ebenfalls im Angriffswirbel der 96er mit untergegangen. Alexander Madlung wird mit seiner Erfahrung das heutige Spiel, in dem er mehrmals nicht gut aussah, schnell verarbeiten.


Interessant zu beobachten ist die Uneinigkeit bei der Höhe der Verteidigung: Alex Madlung möchte tief stehen, weil er weiß, dass er zu langsam gegen Felix Klaus, Artur Sobiech und Martin Harnik ist. Kevin Akpoguma will hoch stehen und den Gegner früh zu Fehlern zwingen. Was gegen schlechtere Gegner ein Erfolgsrezept sein kann, war heute einer der Gründe für die Packung. Akpogumas Stärke, den Gegner mit seiner Geschwindigkeit zu stellen und abzulaufen, ist wertlos, wenn in seinem Rücken Madlung gegen ein oder zwei schnelle Hannoveraner steht und noch viele Meter zum Tor Platz sind. Diese Einladungen hat Hannover heute dankend angenommen.


Bei Maecky Ngombo fehlt noch einiges, zu sehen vor allem an der Szene beim Stande von 1:6, als Ihlas Bebou auf links durch ist, perfekt nach innen spielt und Ngombo es nicht mehr schafft, sich in die Hereingabe zu werfen und das sichere Tor zu erzielen. Aber auch das Verarbeiten der Anspiele, die Kopfball-Weiterleitungen und die geschickten Laufwege bereiten ihm noch Probleme - letztlich ist das in diesem Spiel egal, es steht aber stellvertretend dafür, dass das Team noch nicht soweit ist.


Die Mannschaft ist an eine Grenze gestoßen, vielleicht schneller als erwartet. Sie muss sich wieder an ihre Tugenden erinnern, zusammen kämpfen und aus dieser Klatsche lernen. Ob das in der kurzen Zeit bis zum Union-Spiel gelingt? Die Eisernen werden unabhängig vom Spielausgang heute in Dortmund euphorisiert in die Partie gehen. Auch da werden wir gegenhalten müssen, neu sortiert und mit neuem Mut ins Spiel gehen.

Herzlich willkommen bei Fortuna Düsseldorf!

Das schreibe ich meinen Nicht-Fortuna-Kumpels, die mir entgeisterte Nachrichten ob des Spielstands schicken, hatten sie doch im Vorfeld die zarten Pflänzchen der Verbesserung mit Blick auf die Ergebnisse bei uns entdeckt.

Kaum eine Mannschaft schafft es, zwei Ligaspielen mit insgesamt 7:1 Toren ein Pokalspiel mit 1:6 Toren folgen zu lassen und ihre Fans durch Himmel und Hölle zu jagen.

Auch das macht ihn aus, den geilsten Club der Welt! Man weiß nie, was man kriegt.

Was habe ich mich vor fast genau einem Jahr aufgeregt, beim Kick in Nürnberg, als alles ähnlich schief ging und sich so bitter anfühlte. Heute bin ich ganz ruhig, realitätsgeschult, die Anderen waren sehr gut oder wir sehr schlecht - wahrscheinlich trifft beides zu.


Ach, und liebe Leute von Sky, Fanboys des Gegners sind als Kommentatoren echt schwer zu ertragen. Ihr findet ja sogar Sandhausen-Sympathisanten als Sprecher für das Spiel gegen uns! Aber ganz ehrlich, auch das juckt uns nicht, man muss och jönne könne. In diesem Sinne: KEINER MAG UNS, SCHEISSEGAL, WIR SIND DÜSSELDORF, SUPER DÜSSELDORF, KEINER MAG UNS, SCHEISSEGAL!!!