In Friedhelm we trust!

Von CG

Der Auswärtssieg bei den Sechzgern hinterließ euphorisierte Fans. Zu Recht, denn wie schon gegen Bochum spielte Fortuna in der 1. Halbzeit wie aus einem Guss und lies dem Gegner keinen Raum, sich zu entfalten.

Insgesamt gesehen war es eines der besten Auswärtsspiele der jüngeren Fortuna-Zeit.

Doch wer Superlative vergibt, muss sich auch mit dem Geschehen im Hintergrund befassen.

Rensing wird zu schlecht bewertet

Neben den Feldspielern hat vor allem Michael Rensing einen sehr guten Job verrichtet.

In der ersten Hälfte verhindert er per “Kopf-Parade“ gegen Sascha Mölders das sichere 1:1. In der zweiten Halbzeit holt er noch drei Dinger aus dem Feuer, darunter wieder so eine Riesen-Chance von Mölders, der aus drei Metern auf das eigentlich leere Tor köpft. Selbst an den gut geschossenen Elfmeter von Michael Liendl kommt er beinahe noch ran.

 

In diesem Zusammenhang kommt mir Michael Rensing in den Kicker-Noten in letzter Zeit zu schlecht weg. Gegen die Löwen wird seine Leistung mit einer Zwei bewertet, genauso wie die seines Gegenübers Jan Zimmermann, der zwei gute Szenen gegen Rouwen Hennings und Marcel Sobottka hat, aber auch drei Gegentore schlucken muss.

 

Paraden wie die gegen Mölders zeigen er und seine vom Kicker ebenfalls gerne Top bewerteten Kollegen Thorsten Kirschbaum (1. FC Nürnberg) oder Kevin Müller (1. FC Heidenheim) nicht.

 

Michael Rensing sind die Noten egal, er spricht davon, dass es sein Job ist, Bälle zu halten. Friedhelm Funkel sieht das genauso. Und damit ist das Thema erledigt - Rensing hält halt Weltklasse, dafür ist der Trainer dankbar.

 

Funkel konzentriert sich auf das Wesentliche

Trotzdem wird nach den Spielen nüchtern analysiert. Keine Spur von Euphorie. Funkel moniert Rensings Zeitspiel und gibt der Mannschaft mit, dass sie in der zweiten Halbzeit die Bälle zu früh verloren und sich damit selbst noch einmal in Schwierigkeiten gebracht hat. Und die Spieler? Sehen das genauso, bewerten das Spiel insgesamt als durchschnittlich, mit guter erster Hälfte und verbesserungswürdiger zweiter.

 

Es ist wohltuend, dass eine grandiose erste Halbzeit weder von den Spielern noch vom Trainer glorifiziert werden, sondern der Blick auf mögliche Verbesserungen gerichtet wird.

Auch das kommende Spiel gegen Arminia Bielefeld, dass die Arena-Besucher und Fortuna-Unterstützer bereits als Sieg abgehakt haben, geht Friedhelm Funkel mit der gleichen Ernsthaftigkeit an, als ginge es gegen den Tabellenführer. Seine Analysen sind realistisch, er weiß, wo das Team steht. Guten Auftritten können durchwachsene Spiele folgen. Damit tritt er nicht absichtlich auf die Euphorie-Bremse, sondern schätzt das Potential vernünftig ein. Oben mitspielen? Dafür ist es zu früh.

 

Ich hätte nie gedacht, dass Friedhelm Funkel der richtige Trainer für Fortuna Düsseldorf ist, aber momentan kann ich mir keinen besseren vorstellen.

 

Wenn wir uns in einem Jahr über den Funkel-Fußball aufregen, weil die Ansprüche steigen, oder der Saisonstart in die Binsen geht, wie bei St. Pauli in dieser Saison, dann sollten wir uns an diesen Moment zurückerinnern und einfach Vertrauen in Friedhelm Funkel und seine Arbeit haben.