Gib mir nur eine kleine Dosis Nationalmannschaft, Fortuna!

Von MT

Wart ihr schon mal bei einem Deutschland Spiel? Nicht so ein Lümmel-Freundschaftsrumgenöle gegen die Slowakei sondern bei einem Turnier-Spiel? Macht es einfach. Fahrt hin. Ganz besonders wenn ihr Fortuna-Fans seid. Nachdem ich Jogis Jungs in Brasilien beim Auftaktsieg gegen die Portugiesen sah, war ich am vergangenen Sonntag vor Ort in Lille. Ja, viele Freunde meinten „so lala das Spiel, ne?“ oder „haste ja nix tolles gesehen“. Ich aber war einfach nur selig. Wirklich. 

 

Ich habe endlich mal wieder richtigen Fußball einer Mannschaft gesehen, die ich mit so einer Inbrunst und schlagendem Herzen verfolge wie alle Spiele der Fortuna. Es ist einfach so viel mehr. Es ist so unglaublich viel besser als alles, was mir die launische Diva zeigt. Die deutschen Fans um mich herum schauten immer wieder aufs Neue verwirrt zu mir, als ich bei Toni Kroos Pässen, der Souveränität eines Jerome Boatengs oder der ständigen Anspielbarkeit eines Sami Khedira begeistert laut aufstöhnte.  

Eine Kneipenfreundschaft

Es war wie eine erholsame Kur, ein Teller Pasta beim Edel-Italiener, ein Urlaub auf Hawaii oder die Fahrt mit einem Porsche. Als Fortuna-Fan bekam ich genau die Dosis, die mir lange fehlte und die mir zeigt, dass man live im Stadion viel, viel Spaß haben kann. Ich bin nichtsdestotrotz Realist und weiß, dass mir meine Fortuna das nie geben kann und vermutlich auch niemals geben wird. Das soll sie auch nicht. Das erwarte ich auch nicht. Fortuna ist was anderes, Fortuna ist nicht schön, Fortuna ist ehrlich und immer wieder gemein. Wie eine hässliche Kneipenfreundschaft, die gerne mit dir säuft, dich „guten Freund“ nennt um dich am Ende des Abends mit der vollen Rechnung sitzen zu lassen. Das akzeptiere ich alles. So ist sie nun mal. Und so liebe ich sie ja auch. 

 

Und trotzdem. Fortuna gib mir nur ein wenig von Kroos, ein bisschen Müller und den ein oder anderen Abwurf von Neuer. Oder einfach nur mal ein Spiel in dem die Fortuna 6er immer anspielbar sind. Das sollte doch möglich sein oder? Denn eines sage ich dir: Nach Russland will ich in zwei Jahren eigentlich nicht fahren. Sollte es allerdings mit dir so weitergehen, du launische Diva, dann werde ich nicht drum rumkommen. Dann brauche ich wieder eine kleine Dosis „Nationalmannschaft“.

Ätzende deutsche Medien

Ein paar Anmerkungen noch zum Thema Sicherheit/Hools: Für mich gab es zwei entscheidende Eindrücke in Lille: 

Zum einen, dass die französischen Sicherheitskräfte zwar zahlenmäßig stark vertreten waren, aber die Kompetenz und die Vorgehensweise im Umgang mit den Fans ausbaufähig zu sein scheint. Irgendwie wirkte die Polizei wenig kompetent und man hatte eher den Eindruck, dass wenn es knallen sollte, sie niemals der Lage Herr werden. 

 

Zum anderen, dass die deutschen Medien mal wieder ein unglaublich erbärmliches Bild abgaben. Hier sind wirklich einfach nur Journalisten unterwegs, die neben dem Spiel auf der Suche nach Skandalen sind. Wo knallt es, wo benehmen sich die Fans daneben, wo kann ich die besten Bilder von der ersten Prügelei aufnehmen. Höhepunkt dabei war, als der RTL Reporter Ulli Klose mit einem Kameramann bewaffnet nachts um 1 Uhr nach dem Spiel durch die Partystraßen von Lille lief, um vielleicht doch noch die ein oder andere Schlägerei aufnehmen zu können. Erbärmlich. Zum Glück hatten die deutschen Fans kein Mitleid mit ihm und scheuchten ihn mit einem freundlichen „Verpiss dich“ davon.