Ende gut, alles gut?

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Die Sterne funkelten für die Diva [Bild: Mathias Krumbholz]

Von SvD

Die Saison ist vorbei und allenthalben war in Düsseldorf am Sonntag ein erleichtertes Aufatmen zu hören. Klassenerhalt im Endspurt gesichert - und das durch eine ordentliche Leistung in Braunschweig auch noch aus eigener Kraft. Insgesamt gesehen wurde 2015/2016 auf der nach oben offenen Phrasen-Skala ein Ende mit Schrecken, und glücklicherweise kein Schrecken ohne Ende. Platz 14 erreicht, 35 Punkte.

Lieber kein Blick zurück

Diese schmerzhafte Spielzeit nochmal in Rückblicken zu verarbeiten, dafür fehlt momentan noch die Energie. Zu deprimierend war der Verlauf der Saison, zu oft wurde man enttäuscht. Um so schöner, daß nach dem zittrigen Sieg gegen die nun abgestiegenen Frankfurter nun auswärts sogar noch gewonnen werden konnte. Und das mit, im Vergleich, recht solider Arbeit.


Wer hätte denn im Herbst gedacht, daß am Ende Kerem Demirbay unser bester Torschütze wird? Zwei Hütten in Braunschweig und damit insgesamt 10 Tore, was übrigens noch 1 Tor mehr ist als alles was unsere anderen Mittelstürmer ins Netz gebracht hatten (Ya Konan, Djurdjic, Pohjanpalo, van Duinen). Das spricht für die Qualität der HSV-Leihgabe - und für unser nach wie vor ungelöstes Offensiv-Problem.

Sprungbrett Fortuna?

Und so ist es schmerzhaft, daß Kerem Demirbay nun wohl wieder zurück muss an die Elbe. Wobei der HSV sich überlegen muss, ob er mit ihm den Kader oder die Kasse aufbessern will. Denn er hat nicht nur spielerisch überzeugt, sondern sich auch kämpferisch eingebracht. Als Leihgabe für eine Saison keine Selbstverständlichkeit. Wenn man sich den Weg von Jonathan Tah ansieht, dann scheint Fortuna immerhin kein allzu schlechtes Pflaster für die Weiterentwicklung zu sein. Wobei Tah da sicherlich noch mehr heraussticht, auf seinem Talent-Niveau ist Demirbay nicht.


Auch die Sunderland-Leihgabe Charalampos Mavrias konnte in den letzten Spielen seine Qualitäten zeigen: eine unaufhörlicher Läufer und Kämpfer mit ordentlicher Ballsicherheit. Leider noch wenig effektiv, aber bereits mit allen Grundtugenden für die zweite Liga ausgestattet. Doch auch hier wird eine Übernahme höchst unwahrscheinlich, denn wer kann schon mit englischen Gehalts- und Ablöseniveaus mithalten.

Friedhelm, Freude, Eierkuchen

Fortunas größter Gewinn und Gewinner war aber schlussendlich in diesem Jahr Friedhelm Funkel. Hat sich vor dem Winter quasi schon per Zeitung selbst beworben, blieb geduldig und hat trotz Chaos doch noch sein Versprechen “ich rette Fortuna vor dem Abstieg” eingelöst. Respekt und Dank!

 

Nun sollte damit nicht die Heiligsprechung einhergehen. Auch unter Funkel wurde aus der Truppe nicht ansatzweise das vor der Saison erwartete Potential abgerufen. Aber mit ruhiger Hand und der Auswahl der richtigen Spieler hat er den Punkteschnitt gesteigert und den Einsatzwillen zurückgebracht. Und noch viel mehr hat er dem Fortuna-Herz in uns allen wieder ein Stück Heimat wiedergegeben.

 

Funkel scheint eine ehrliche Haut zu sein, dem man abnimmt, was er bei den Pressekonferenzen in die Mikrofone sagt (sagen muss). Ein Fußballarbeiter, kein schöngeistiger Stratege. Und mit der Erfahrung, in einer Mannschaft und den Spielern die Stärken erkennen und wecken zu können. Den fast schon abgeschriebenen Akpoguma wieder ins Team zu nehmen, hat die Abwehr nachhaltig verbessert. Mit Fink und Bodzek sowie Gartner und Sobottka hat er alte Kräfte neu entdeckt und zugleich eine variable Mischung gefunden.


Vielleicht mag Funkel nicht die Innovation sein, die man sich im “modernen Fußball” wünschen könnte. Er ist aber in jedem Fall die Stabilität, die wir bei der Fortuna brauchen. Und ihm kann man abnehmen, daß er mit Herz bei der Sache ist. Die Verlängerung mit ihm ist daher eine gute Entscheidung.

Mit Demut in den Sommer

Für den Rest des Vereins gilt es nun die Arbeit anzupacken. Die Planungssicherheit “2. Liga” ist da, doch es sind noch dutzende Baustellen anzugehen. Im Kader fehlen Außenverteidiger, Stürmer und vor allem eine Handschrift. Ob und wie das mit dem amtierenden Sportdirektor angegangen wird, ist auch noch ungewiss. Azzouzi kann man sicherlich nicht die Schuld an der momentanen Gesamtsituation geben, aber er hat neben guten Treffern (Madlung, Demirbay) auch recht kapitale Böcke geschossen (Ya Konan, Kurz).

 

Aufsichtsrat und Vorstand sind nach wie vor ein wackliges Gebilde. Es wird sich zeigen, wo Robert Schäfer nun anpackt - und wie weit sich der AR zurückhalten wird. Professionalisierung wird auch hier das Gebot der Stunde sein, auch wenn es dem ein oder anderen Romantiker nicht so recht passen wird.


Angesichts der zurückliegenden Jahre ist Demut angesagt: Klassenerhalt und langfristiger Aufbau, das ist die Devise für die nächsten Jahre.