Ab jetzt nur noch Prinzip Hoffnung

Von SvD

Der Tabellen-Fünfzehnte verliert am 30. Spieltag auswärts beim Tabellen-Neunten. Soweit keine große Überraschung. Und doch mal wieder so enttäuschend für uns Fortuna-Fans. Denn wie so oft waren die Vorzeichen gut: Fürth ein Gegner, der uns eher liegt, die Abstiegskonkurrenten haben sich gegenseitig das Leben schwer gemacht, das Heimspiel gegen Leipzig ging zwar verloren aber man hatte eine gute Leistung geliefert. Und wieder mal ging es dann in die Hose. Fortuna erneut auf dem Weg Richtung Ascheplatz?

Karo-Einfach schlägt Standfußball

Das Auswärtsspiel in Fürth zeigte nochmal die großen Schwachpunkte der Mannschaft in dieser Saison auf. Abschlussschwäche, schlecht Abstimmung und daraus resultierend ein quälend langsames Spiel. Die oft bemängelte fehlende Qualität einzelner Spieler tut da nur ein übriges, ist aber nicht die Hauptursache der derzeitigen Situation. Ja, Haggui hat es ein ums andere mal hinten verbockt und Axel hatte auch selten einen so schlechten Tag wie diesen Sonntag. Aber Fürth hat in der ersten Halbzeit vorgemacht, wie einfach es aussehen kann.

 

Es standen nämlich nicht gerade fränkische Ausnahmeartisten auf dem Platz. Torschütze Berusha galt bis zu seinem Treffer als Chancentod. Doch die Fürther demonstrierten, wie gute Laufwege und schnelles Spiel eine behäbige Abwehr gehörig unter Druck bringen kann. Wenige Stationen, mehr Meter ohne Ball als mit. Und schon entsteht eine Chance - oder auch ein Tor. Oft unter freundlicher Mithilfe der Fortuna-Abwehr, die auch in Überzahl nicht so recht die Situation beherrschte. 3:1 noch vor der Pause.

Vielleicht einfach mal das Tor treffen

Presse, Trainer und Mannschaft hingegen sind sich einig, daß man ja in der zweiten Halbzeit deutlich besser gespielt habe. Das sah auch optisch so aus: mehr Ballbesitz, mehr Chancen, mehr Druck. Doch war das eine Leistungssteigerung von Fortuna? Fürth hatte nämlich einen Gang zurückgeschaltet, mit einem 2-Tore-Vorsprung eine verständliche Einstellung. Und was unsere Mannschaft dann anbot war entlarvend. 

 

Ein schneller Fortuna-Angriff geht üblicherweise so: langer Ball von hinten, Ballverlust. Oder in der besseren Variante: der Ball wird von einem Außenspieler 20-30 Meter die Linie entlang geschleppt, der Gegner kommt in der Rückwärtsbewegung unter Druck. Mangels Anspielstationen und wegen schlechter Positionierung der eigenen Leute, bremst der Außen ab und muss sich nach hinten orientieren. Die Verteidiger rücken auf, der Ball wird zurückgespielt und geht nun über vier Stationen auf die andere Seite - oder auch zum Innenverteidiger zurück. Ergebnis: Standfußball.

 

Das war nicht schön anzusehen und bleibt ein Grundproblem des Teams in dieser Saison. Und mangelnde Eingespieltheit darf da nicht mehr als Ausrede gelten - trotz diverser Trainer- und Spielerwechsel sind da Leute, die einander kennen. Und mit Konsequenz und Kampf kann man sich damit auch Chancen erarbeiten: hätten Djurdjic und Pohjanpalo die Hälfte ihrer Top-Chancen ins Tor gebracht, wären wir mit einem Punkt nach Hause gefahren. Problem Nummer 2 in dieser Saison.

Aus eigener Kraft die Klasse halten?

Ob mit dieser Art Fußball und dieser Leistung aus eigener Kraft die Klasse zu halten ist? Fraglich. Natürlich haben wir rechnerisch alles in der Hand und nach wie vor eine ordentliche Ausgangssituation: Platz 15 und noch Spiele gegen Duisburg und Frankfurt. Doch konnten wir in dieser Saison genau diese "Spiele auf Augenhöhe" nicht für uns entscheiden. Siehe dazu auch den Kommentar von Christian.

 

Wir werden also weiter darauf setzen müssen, daß sich mindestens zwei Mannschaften finden, die noch schlechter abschneiden. Prinzip Hoffnung zählt - spielerisch werden wir das wohl nicht mehr lösen. 

 

Fink muss bleiben?

Noch ein abschließender Kommentar, zu den aktuellen Personalien: wer Plakate schreibt mit "Fink muss bleiben", sollte sich überlegen, ob es nicht eher "Fink, bitte bleib!" heißen muss. Oft wird verkannt, daß eine Verhandlung zwei Parteien hat, und Fortuna derzeit nicht in der Situation ist die beste Perspektive anbieten zu können.

 

Wer sich zudem gerade laut pöbelnd oder leise lachend über die bevorstehende Demission von Azzouzi freut: auch ihm hat man keine 12 Monate Zeit gegeben etwas zu bewegen. Der Düsseldorfer Fan scheint zum verwöhnten Nörgler und Miesmacher geworden zu sein: "alle und alles schlecht, sofort entlassen". Man wünscht sich zwar ein ruhiges Umfeld und sorgt aber selbst mit jeder Äußerung dafür, das wir dem HSV der letzten Jahre in nichts nachstehen.