F95-Heidenheim: Karneval in Moll

Ein schöner Tag, ein wirklich schöner Tag - das werden wohl die meisten über den vergangenen Karnevalssamstag im Dorf am Rhein sagen. Nach einem etwas verregneten Start in die jecken Tage meinte der Himmel es am Samstag besonders gut: milde Temperaturen, durchgängig trocken, lockere Wölkchen und ab und an ein Sonnenstrahl.


Fast ist man versucht zu sagen: bestes Fußballwetter. Immerhin 24.000 Anhänger der launischen Diva hatten sich dies wohl auch gesagt und traten vorsichtig optimistisch und teil kostümiert die Fahrt ins Rheinstadion an. Zwei Halbzeiten später hätte sich im Grunde auch niemand über Eisregen beschwert. Denn die angebotene Leistung der rot-weißen war einmal mehr zum Trübsal blasen.

Veränderungen nur auf dem Papier

Gegen einen kontrollierten aber auch wenig überzeugenden Gegner schaffte es die “Mannschaft”, erneut durch eigene Fehler und fehlenden Gemeinschaftssinn eine Heimniederlage einzufahren. Und statt mit Schunkeln und fröhlicher Gelassenheit endete der Samstagnachmittag in Pfiffen und Frust.


Der aktuelle Übungsleiter Marco Kurz hatte offensiv und mit neuen (alten) Kräften aufgestellt. die Neuzugänge Mavrias und Djurdjic bereits auf dem Platz, im 4-4-2 rückte Demirbay auf die 6er-Position, Avevor nach über einem Jahr Verletzung mit Startelf-Debüt. Bis auf Demirbay spielten alle wieder auf angestammten bzw. gelernten Positionen - so auch Schmitz als Außenverteidiger. Die offensive Ausrichtung zeigte sich auf dem Feld auch in einer recht hoch stehenden Verteidigung. Pohjanpalo und Djurdjic sollten für die nötige Torgefahr sorgen. Überraschend: weder Bodzek noch Fink standen überhaupt im Kader.


Soweit die Theorie. Praktisch begann es vorsichtig engagiert und mit den gewohnten Schwierigkeiten im Spielaufbau. Wohlwollend könnte man die Floskel “beide Mannschaften neutralisierten sich” bemühen - im Kern wurden im Mittelfeld viele Bälle auf beiden Seiten verloren. Die Verteidiger links und rechts der Mittellinie hielten aber ihre Arbeitsbereiche sauber. Es ging mit wenig Gelegenheiten und unter freundlich bemühter Stimmung der Anwesenden mit 0:0 in die Pause.

Wenn Übermut in Überforderung endet

Das Spiel nach vorne sollte (so hatte es den Anschein) dann wohl durch die Außenverteidiger angetrieben werden, die entsprechend vorrückten. So kam die Fortuna mit Schwung aus der Pause und zeigt sich bemüht. Doch das Gegenteil von gut gemacht ist gut gemeint. Ein ums andere mal brachten Schmitz und Schauerte durch schlechte Abspiele oder Ballverluste die soliden Innenverteidiger Haggui und Madlung in Bedrängnis. Heidenheim erbte Kontermöglichkeit um Kontermöglichkeit, ohne allzuviel selbst machen zu müssen.

Während Demirbay unermüdlich jedem Ball hinterherjagte äußerte sich Avevors fehlende Spielpraxis unter anderem in etlichen Fouls der Marke “einen Schritt zu spät”. Wegen resultierender akuter Gelb-Rot-Gefahr wechselte Marco Kurz dann Julian Koch ein - gleichzeitig sollte Bolly auf dem rechten Flügel Bebou ersetzen.


Während die echten Neuen Mavrias und Djurdjic im schlechten Mannschaftsbild nicht weiter auf sich aufmerksam machen konnten, zeigten die neu eingewechselten leider einmal mehr, warum sie zu auf der Bank saßen. Die Außen im Vorwärtsgang, der obligatorische Ballverlust, Koch verschätzt sich als letzter Mann auf links, verliert den Mann und kann am Boden liegen zusehen wie Heidenheim das 1:0 erzielt.
Besonders gut im Zusehen ist nach wie vor die “Wunderwaffe” Mathis Bolly, der es irgendwie auf den Zettel von Kurz geschafft hatte. Er sah zu, daß er nicht groß auffiel, nicht mehr lief als nötig und vor allem weder seinen Mitspielern eine Anspielstation noch eine Hilfe bei der Defensivarbeit war.

Auf dem Weg ins Nirgendwo

Damit stand er sinnbildlich für all das, was Fortuna auch unter dem dritten Trainer in dieser Saison auszeichnet. Es war wieder einmal ein Fehlerfestival, was vor allem daran liegt, daß Eigensinn und fehlender Mannschaftsgeist vorherrschen. Gefühlt hatte Michael Rensing die meisten Ballkontakte, da er oft die einzige freie Anspielstation war. Wer den Ball hat wird alleingelassen, weil die Bewegungen fehlen oder die Laufwege nicht stimmen. Und dem ein oder anderen fehlt ganz offensichtlich auch die Lust, den nötigen und auch den richtigen Meter zu gehen. Im Gegenzug versuchen sich dann einige Spezialisten am Solo-Spiel, was Sararer einen Platz auf der Bank und Demirbay im Spiel auch etliche erboste Zwischenrufe erbracht hat.


Es bleibt ein Grausen. Es hat sich trotz Winterpause und Trainerwechsel nichts entwickelt. Ob die Neuzugänge einschlagen oder nicht ist irrelevant - es stimmt in der ganzen Mannschaft nicht. Wir können kaufen, wen wir wollen, es ist nicht die individuelle Qualität, die uns fehlt: es ist das Team.