Winterpause 15/16: Was war, was wird?

Wohin geht die Reise unserer Fortuna?

Während der Winter das Rheinland überwiegend vergessen hat, so hat die Spielzeit-Unterbrechung des deutschen Fußballs trotzdem auch bei Fortuna den Namen “Winterpause” behalten. Und während die erste Liga ihre ersten Spieltage bereits wieder hinter sich bringt, so endet am 06.02. für unsere zickige Diva dann auch die spielfreie Zeit mit dem Heimduell gegen Heidenheim. Blicken wir zurück auf die letzten Wochen.

Trainingslager und Testspiele

Wie gefühlt fast jeden mittel- und unterklassigen Verein des Kontinents (die big player reisen ja inzwischen eher nach Übersee), so hat es auch unsere Mannschaft an die türkische Riviera geführt. In Belek waren die Temperaturen in diesem Jahr kaum über denen zu Hause - schneefrei war es in jedem Fall hier wie dort.

 

Das mag dann aber auch das einzig unstrittige Fazit des Trainingslagers gewesen zu sein. Hatte man kurz vor der Abreise noch ein immerhin launiges Testspiel in Aachen absolviert (5:3 Sieg für Rot-Weiß), so ließ sich die Mannschaft kurz vor dem Abflug in die Türkei noch am Flinger Broich von Preußen Münster vorführen (0:2 Niederlage). Lustlos, mutlos, ratlos - ein Rückfall in die düsteren Phasen der Hinrunde.

 

In der Türkei folgte dann, wenn man der Presse glauben darf, solide und weitgehend geräuschlose Arbeit von Mannschaft und Trainerteam. Auf dem Platz war davon leider wenig zu sehen. Da inzwischen auch die Testspiele über Livestreams (und einmal sogar durch Sport1) von daheim verfolgbar sind, konnte sich jeder Interessierte einen persönlichen Eindruck vom Stand der Dinge machen.

Gegen den bulgarischen Erstligisten Ludogorez Rasgard, immerhin in den letzten Jahren zweimal dort Meister und in der Qualifikation zur Champions League gestanden, verlor man 1:3. Die Leistung durchschnittlich, die Fehlerquote wieder hoch. Gegen den FC St. Gallen sah das Ergebnis mit einer 0:1 Niederlage zwar etwas besser aus, das Spiel hingegen war es nicht. Kurz vor der Abreise rang man immerhin den ungarischen Zweitligisten Szeged 2011 mit 1:0 nieder.

 

Der Optimist mag hier eine Entwicklung erkennen (immerhin hinsichtlich der Ergebnisse), der aufmerksame Beobachter kann hingegen keinerlei positive Entwicklung in Spielsystem oder Einsatzwillen erkennen. Die Mannschaft tritt auf der Stelle, die individuellen Fehler sind nach wie vor hoch, die Offensivprobleme und Mängel im Spielaufbau bleiben überdeutlich.

Der Trainer und die Mannschaft

Marco Kurz hat sich augenscheinlich ordentlich eingeführt, kann aber noch keine sichtbaren Akzente setzen. Seine wenigen Statements sind auf den Punkt und ehrlich und man mag den Bildern als auch den Berichten abnehmen, daß die Grundstimmung im Team in Ordnung ist. Wenn man sich die Konkurrenz aus Paderborn ansieht darf man froh sein, daß uns wenigstens dieser Zirkus erspart wird.

"Ich habe viele gute Momente in den Spielen gesehen, musste aber auch feststellen, dass die Truppe hin und wieder in alte Muster verfällt. Daran gilt es in der nächsten Zeit zu arbeiten."

Marco Kurz, nach dem Trainingslager in Belek

 

Trotzdem kann man noch keine Handschrift erkennen. Defensive verstärkt? Nicht wirklich. Haggui und Madlung scheinen gesetzt, werden aber von den wackligen Außenbahnen Schmitz/Koch immer wieder in arge Not gebracht. Die fehlende Schnelligkeit der beiden Innenverteidiger tut dann gegen spritzige Konter ein übriges.
Im Mittelfeld wurden Gartner und Avevor wieder integriert, was nach deren langen Ausfällen auch sehr zu begrüßen ist. Allerdings zeigt sich bei beiden, daß sie von alter Form noch weit entfernt sind. Hier bleibt unklar, wer gegen Heidenheim auf der Doppelsechs stehen wird. Davor bleibt Demirbay alternativlos, auf den Außenbahnen baut Sararer leider weiterhin ab und Bebou ist größter Lichtblick. Er wird mit Sicherheit Bolly endgültig überflüssig machen, der nach wie vor abwechselnd seinen Körper, sein Temperament und dauerhaft die Defensivarbeit nicht im Griff hat. Ob nun dann vorne YaKonan, van Duinen oder Pohjanpalo die Bälle nicht bekommen und die wenigen vorhandenen nicht reinmachen, ist dann schlussendlich nur die traurige Fortsetzung der Hinrunde.

 

Daher bleibt der Eindruck: es wurde nicht schlechter, aber leider auch noch nicht besser. Der Ausblick bleibt trübe und nur die Paderborner Eskapaden und der schwache Duisburger Kader machen etwas zuversichtlich, daß wir eventuell nach wie vor mindestens zwei Mannschaften hinter uns lassen können.

Transfers und Manager

Rachid Azzouzi hat einen schweren Stand in Düsseldorf. Von Anfang an wurde seine Verpflichtung kritisch gesehen, wenn man den diversen Foren glauben darf, dann aus dem diffusen Gefühl, daß er weder in Fürth noch auf St. Pauli erfolgreich gearbeitet hätte. Dabei hat er in Düsseldorf zunächst kaum Einfluß nehmen können - die meisten Sommertransfers fanden ohne ihn statt. Nun wird dann merkwürdigerweise sein Schicksal bereits an erfolgreichen Transfers in dieser Winterpause festgemacht.

"Bevor man die Arbeit eines Sportdirektors wirklich beurteilen kann, braucht er schon die eine oder andere Transferperiode. Ich würde mir manchmal ein bisschen mehr Sachlichkeit wünschen."

Rachid Azzouzi, Sportdirektor

 

Die Forderungen dabei sind “muss sofort die Mannschaft aus der Abstiegszone führen”, “kein abgehalfterter Profi mehr”, “kein Söldner, der hier nur Kohle mitnehmen will”. Die Liste der Spieler, die diese Anforderungen erfüllen und bereitwillig zu einem abstiegsbedrohten Zweitligisten wechseln wollen, scheint überschaubar.

Und in der Tat: es ist wohl fast niemand zu finden. Kurz vor Ende der Transferperiode konnte Azzouzi immerhin mit der Ausleihe von Charis Mavrias vom FC Sunderland überraschen - ein 21-jähriges Außenbahn-Talent. Aber sicher weit entfernt von “hilft sofort weiter”, eher eine Perspektive für den Sommer, da auch eine Kaufoption vereinbart wurde.
Im Gegenzug hät Azzouzi aber auch die aktuelle Mannschaft zusammen - sicherlich auch, weil sich kein Spieler besonders interessant für andere Vereine gemacht hat. So muss lediglich Tugrul Erat zurück in die 2. Mannschaft, da er sich im Profi-Kader nicht wirklich durchsetzen konnte. Und Fabian Holthaus wird bis Saisonende nach Dresden ausgeliehen, ein guter Schritt, um dem jungen Spieler mehr Erfahrung und Einsatzzeiten zukommen zu lassen.

 

So muss man Rachid Azzouzi zu Gute halten, daß er offenbar schon den Markt beobachtet und sich erfolgreich gegen Irrsinnsforderungen, wie einen verletzten Benschop oder einen arbeitsfaulen Maxi Beister zurückzuholen, gewehrt hat.

Vorstand und Aufsichtsrat

Die Suche nach einem Vorstandsvorsitzenden geht nun in den fünften Monat. Und es scheint nun doch etwas am zunächst wirren Gerücht des Express um Robert Schäfer von Dynamo Dresden zu sein. Ein junger erfolgreicher Vereinsfunktionär mit guten Stationen in München und Dresden - der aber jüngst erst seinen Vertrag dort verlängert hatte. Es wird also eine intensive Verhandlung ihn in Sachsen loszueisen - wenn er denn der finale Wunschkandidat ist.

"Es ist ein Weckruf an alle in der sportlichen Führung, dass Sie sich nicht ablenken lassen sollen, aber auch eine Aufforderung an den Aufsichtsrat, endlich für klare Strukturen zu sorgen!"

Wolf Werner, ehemaliger Vorstand Sport

Der Aufsichtsrat wirkt nun entschlossener und die Kommunikation etwas seriöser. Aufhorchen ließ allerdings ein jüngst erschienener Bericht der WZ, die ein Gespräch mit Wolf Werner zur Lage des Vereins geführt hatten. Und Werner nahm wohl kein Blatt vor den Mund, verortet die Probleme der letzten zwei Jahre deutlich im Aufsichtsrat. Hoffentlich mögen sich eines Tages die vielen gutmeinenden Aufreger unter den Anhängern daran erinnern, daß es die von ihnen ins Amt gehobenen Aufseher waren, die Chaos und Verunsicherung in den Verein gebracht haben.

Wie es weiter geht...

Nun, eine Prognose über den sportlichen Verlauf der restlichen Saison mag man kaum wagen. Es wird aller Voraussicht nach keine Überraschung geben. Mit einer Fortsetzung der Hinrunde mit Höhen und Tiefen ist zu rechnen, der Klassenerhalt das einzige und wichtigste Ziel.

Die Posse um Aufsichtsrat und Vorstand wird weitergehen. Vor dem Sommer wird man kaum einen komplett besetzen Vorstand präsentieren können. Es bleibt zu hoffen, daß wir in 2016 einmal keine Entlassungen mehr erleben werden. Das betrifft vor allem Trainer und Sportdirektor, denen man endlich einmal Zeit und Vertrauen geben muss. Die Sommertransfers werden dann, auch wegen vieler auslaufender Verträge (und Leihen), eine gute Gelegenheit, dem Team eine neue Richtung zu geben. Vorausgesetzt man kann die Klasse halten.