Marco Kurz: Der Trainer, den niemand wollte

Nicht nur im oft verachteten Fußball-”Business” der vermeintlichen Kommerz-Vereine ist eines Gewiss: Trainer wie Spieler kommen und gehen. Auf der Trainerbank gehen die meisten unfreiwillig wegen schlechter Ergebnisse, manche zudem aus Verzweiflung (Bsp: Favre) und andere einfach, weil sie es sich aussuchen können (Guardiola).

 

Die Zeit der “der war schon immer da”-Trainer ist lange vorbei, wenn es sie je wirklich gab. Hatten Otto Rehagel und Thomas Schaaf noch Gelegenheit Jubiläen bei ihren Clubs zu feiern, so kommen selbst anerkannte Fachleute nur noch auf 3-4 Saisons pro Arbeitgeber.

 

Nun muss man daraus nicht gerade ableiten, daß der rot-weiße Weg mit sieben Trainern in zweieinhalb Jahren normal sei. Seit dem Abstieg und der Demission von Norbert Meier hat die Fortuna kein Glück mehr mit Übungsleitern, Vorständen und Aufsichtsräten. Da wurde vieles versucht: Variante “Düsseldorfer Jong” (Mike Büskens), Variante “alter Hase” (Lorenz Günter Köstner), Variante “Motivator” (Oliver Reck), Variante “Interimstrainer” (Taskin Aksoy, Peter Herrmann) und diese Saison die Variante “Jahrgangsbester” (Frank Kramer).

 

Für alle diese Trainer gab es bei der Auswahl gute Gründe - und bei der Entlassung ebenso. Nun ist es gute Fan-Sitte, stets das Gegenteil der momentanen Situation zu fordern. Mal will man mehr Erfahrung, mal mehr frisches Talent, mal mehr Defensive - dann wieder offensiveren Fußball.

 

Frank Kramer stand für ein junges Konzept und den Wunsch offensiven Fußball spielen zu lassen. Dies hatte zu Beginn auch noch ordentlich funktioniert, brachte aber keine Ergebnisse. Zum Ende hin funktionierte dann nichts mehr - weder der Offensiv-Fußball noch das Ergebnis. Die Entlassung kündigte sich an, auch wenn diesmal alle Beteiligten (inkl. Fans) lange ausharrten, um doch noch auf eine Wende zu warten.

 

 

“Helft mir Obi-Wan Kenobi. Ihr seid meine letzte Hoffnung”

Und dann der Aufschrei: nach mehreren Wochen Trainersuche des Rumpfvorstands und des Sportmanagers wird dann einer präsentiert, der auf keinem Zettel stand und zwei Jahre “arbeitslos” ist. Marco Kurz. Empörung bei den Fans, Ratlosigkeit in der Presse. Der soll es jetzt richten?


Die Lokalpresse hatte wochenlang völlig andere Namen kolportiert, die Fans hatten sich mit den eigenen Spekulationen angeschlossen. Keller, Slomka, Luhukay - diese Kategorie hätte man gerne gehabt. Funkel, Stanislawski, Runjaic - die hätte man halt als zweite Wahl genommen.


Und dann präsentieren Azzouzi und Jäger Marco Kurz und deuten es als Liebeshochzeit. Zwei Jahre ohne Job, davor bei Hoffenheim und Ingolstadt nach wenigen Monaten gescheitert. Der soll jetzt die Fortuna retten? Das mögen die meisten kaum glauben. Der Retter in höchster Not soll einer sein, der sich noch selbst wieder beweisen muss?


Doch gerade hier liegt vielleicht die letzte Hoffnung und die größte Chance. Der Trainer Marco Kurz ist im Grunde ein unbeschriebenes Blatt. Zu lange sind seine vorigen Erfolge her, zu lange stand er nicht mehr an der Seitenlinie. Wofür er steht deutet er nur an: harte Arbeit, sichere Defensive, Kampf. Kein Lautsprecher, eher jemand mit wenigen Worten.

Und was stünde einem Verein, der selbstverschuldet mit dem Rücken zur Wand steht, besser zu Gesicht als ein wenig Demut und Understatement?


Als Norbert Meier zur Fortuna kam und die ersten Jahre erfolgreich abschloss, da hieß es schnell “zwei Gescheiterte haben sich gefunden”. Die Situation der Fortuna ist heute eine andere, aber wenn Marco Kurz der Trainer ist, den keiner wollte - dann ist er vielleicht der Trainer, den wir jetzt brauchen. Und das sein erstes Spiel am Karnevals-Samstag stattfindet, das ist dann doch der passende Auftakt für rheinische Gelassenheit.